„Ludwig Meidner. Werkverzeichnis der Gemälde bis 1927“

Buchpräsentation

Nach neun Jahren intensiver Recherchen in den USA, Großbritannien, Spanien und Israel wie auch in Deutschland hat Erik Riedel, Ausstellungsleiter und Kurator für den Bereich Bildende Kunst am Jüdischen Museum Frankfurt, seine Grundlagenforschung zu Ludwig Meidner mit der Veröffentlichung des ersten Werkverzeichnisses abgeschlossen.

Nach neun Jahren intensiver Recherchen in den USA, Großbritannien, Spanien und Israel wie auch in Deutschland hat Erik Riedel, Ausstellungsleiter und Kurator für den Bereich Bildende Kunst am Jüdischen Museum Frankfurt, seine Grundlagenforschung zu Ludwig Meidner mit der Veröffentlichung des ersten Werkverzeichnisses abgeschlossen. Das Buch „Ludwig Meidner. Werkverzeichnis der Gemälde bis 1927“ erscheint in einer zweisprachigen Ausgabe (deutsch / englisch) im Gebr. Mann Verlag.

Herausgegeben von der Ludwig Meidner Gesellschaft und dem Jüdischen Museum Frankfurt, unterstützt von der Stiftung CITOYEN, dokumentiert der Band auf 336 Seiten mit 120 Abbildungen insgesamt 216 Gemälde Ludwig Meidners. Darunter sind auch solche, die bislang nur schriftlich erwähnt wurden und als verschollen gelten.

Das Werkverzeichnis fasst nicht nur den Forschungsstand zu den bis 1927 entstandenen Werken Ludwig Meidners (18. April 1884 – 14. Mai 1966) zusammen. Es gibt auch die bahnbrechende Arbeit Meidners als expressionistischer Künstler wieder: Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Apokalyptischen Landschaften, die als Vorahnungen des Ersten Weltkrieges und als Schlüsselwerke des urbanen Expressionismus gelten, wie auch Ludwig Meidners Porträts – insbesondere die zahlreichen Selbstporträts –, welche die Intensität der expressionistischen Kunst widerspiegeln. Die Publikation zeigt anhand der Werke aus der expressionistischen Schaffensphase des Künstlers, dass die eindringliche Visualität von Meidners expressionistischem Werk in ihrer Dynamik und psychologischen Intensität allenfalls mit denen seiner Zeitgenossen Oskar Kokoschka oder Lovis Corinth zu vergleichen ist.

Als erste vollständige Dokumentation der Gemälde, die bis einschließlich 1927 entstanden sind, widmet sich das Werkverzeichnis ausschließlich dem Maler und weniger dem Zeichner oder gar dem Schriftsteller Ludwig Meidner, der das spätere Werk prägt. Die Frühphase des bildenden Künstlers beginnt 1906 in Paris, wo er an den Akademien Julien und Cormon studiert und eng mit Amedeo Modigliani befreundet ist, und endet Mitte der 1920er Jahre. Meidners „Gang in die Stille“, als er die Religion für sich entdeckt und die Malerei zugunsten der Zeichnung zurücktritt, ist mit seiner Eheschließung abgeschlossen. Das Werkverzeichnis endet daher im Jahr 1927.

Die Verfemung und Vertreibung Meidners während der Schoa hat sein künstlerisches Schaffen und dessen Rezeption nachhaltig geprägt. Nach dem Krieg kommen Pinsel und Palette nur noch selten zum Einsatz, da ihm im englischen Exil die materiellen Voraussetzungen für das Malen in Öl fehlen. Erst in den 1960er Jahren werden seine Werke wieder in größerem Umfang ausgestellt – allerdings richtet sich die Aufmerksamkeit fortan primär auf seine expressionistische Werkphase zwischen 1912 und 1916. Diese Gemälde erzielen im Kunsthandel bis heute immer neue Rekordpreise, zuletzt wurde der „Weltuntergang“ für mehr als 14 Millionen US-Dollar versteigert.

Das vorliegende Werkverzeichnis weitet die Perspektive über die expressionistische Werkphase hinaus aus. Die Provenienzgeschichte von Meidners frühen Gemälden legt nahe, warum diese frühe Schaffensphase heute gemeinhin ebenso wenig rezipiert wird wie sein Exilwerk: Die meisten Käufer seiner Bilder waren Juden, wurden später verfolgt, ermordet oder ins Exil getrieben. Die Provenienz seiner Werke ist daher sowohl von systematischer Zerstörung und von Kunstraub wie auch von Exil geprägt.

Das Jüdische Museum Frankfurt sammelt seit seiner Gründung systematisch Werke von jüdischen Künstlerinnen und Künstlern und setzt mit dem 1992 eingerichteten Ludwig Meidner-Archiv einen Sammlungs- und Forschungsschwerpunkt im Bereich der Exil-Kunst. Erik Riedel verantwortet diesen Schwerpunkt und ist der Leiter des Ludwig Meidner-Archivs.

Erik Riedel
„Ludwig Meidner. Werkverzeichnis der Gemälde bis 1927“
Herausgegeben von der Ludwig Meidner Gesellschaft und dem Jüdischen Museum Frankfurt;
mit Unterstützung der Stiftung CITOYEN
Erschienen im Gebr. Mann Verlag
ISBN 978-3-7861-2890-8

Pressekontakt

Pressebilder

  • Ludwig Meidner: Selbstbildnis, 1912 © Jüdisches Museum Frankfurt (Download JPG)
  • Ludwig Meidner: Weltuntergang, 1912 © Jüdisches Museum Frankfurt (Download JPG)
  • Ludwig Meidner: Rue du Mont Cemis, 1906 © Jüdisches Museum Frankfurt (Download JPG)