Die Cymbalista-Sammlung von Tora-Aufsätzen ist seit September 2026 im Jüdischen Museum Frankfurt zu sehen. Die in der Bibliothek ausgestellte Sammlung wurde dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt - der Stifter selbst, der Holocaust-Überlebende Norbert Cymbalista, wurde 1926 in Worms geboren und lebt heute in der Schweiz. Anlässlich der Eröffnung war er in Frankfurt zu Gast. Die stellvertretende Museumsdirektorin Dr. Eva Atlan hat an diesem Abend davon berichtet, was für sie die Sammlung so bemerkenswert macht.
Was erzählt ein kleines Paar silberner Tora-Aufsätze über jüdisches Leben?
Als ich die Sammlung von Norbert Cymbalista zum ersten Mal sah, habe ich zunächst vor allem die Schönheit und Vielfalt der Objekte wahrgenommen: Silber, kunstvolle Ornamente, unterschiedliche Formen und Techniken. Doch je länger ich mich mit den einzelnen Rimonim beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass in diesen Objekten sehr viel mehr steckt.
Sie erzählen von Menschen und Gemeinden, von religiösen Traditionen und handwerklichem Können, aber auch von Migration, von kulturellem Austausch und von Orten, an denen über Jahrhunderte jüdisches Leben existierte. Manche dieser Gemeinden gibt es heute nicht mehr oder nur noch in sehr kleiner Form.
Genau das macht die Cymbalista-Sammlung für mich so besonders. Sie erweitert nicht einfach die Judaica-Sammlung des Jüdischen Museums Frankfurt um weitere kostbare Objekte. Sie verändert unseren Blick auf die Sammlung als Ganzes.
Ein Projekt, das mit einem Gespräch begann
Die Geschichte dieser Präsentation begann vor mehr als einem Jahr mit einem Treffen in Genf. Dort hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit, die Sammlung von Norbert Cymbalista kennenzulernen.
Wir haben uns lange über die einzelnen Objekte unterhalten: Über ihre Herkunft, ihre Gestaltung, ihre Geschichten und natürlich auch darüber, was es bedeutet, eine solche Sammlung über viele Jahre aufzubauen. Vor allem aber haben wir darüber gesprochen, ob und wie diese besondere Sammlung im Jüdischen Museum Frankfurt ihren Platz finden könnte.
Aus diesem ersten Treffen entwickelte sich ein intensiver und für mich persönlich sehr bereichernder Austausch. Norbert Cymbalista kam nach Frankfurt, lernte unser Museum kennen und sah sich den vorgesehenen Ort für die Präsentation an. Wir haben verschiedene Möglichkeiten diskutiert, verworfen, neu gedacht – und schließlich den richtigen Platz gefunden.
Was danach folgte, war eine intensive gemeinsame Arbeit. Zusammen mit dem Architekturbüro Wandel Lorch Götze Wach entwickelten wir die Gestaltung der Vitrine, mit Fomfellows die grafische Gestaltung und mit BlubbMedia die digitale Präsentation.
Die Rimonim ziehen ins Museum ein

Als die Rimonim im Mai dieses Jahres schließlich im Museum ankamen, begann die nächste Etappe. Die Objekte wurden restauratorisch vorbereitet, fotografiert und dokumentiert. Roman Borkowski übernahm die restauratorische Vorbereitung, Herbert Fischer vom Atelier für Fotografie die professionelle fotografische Aufnahme. Dr. Oliver Sukrow aus dem Sammlungsmanagement und Annika Friedman, Kuratorin der Dauerausstellung, begleiteten die Koordination. Auch beim Einbringen der Objekte in die Vitrine waren Annika und Oliver wieder dabei, gemeinsam mit dem Team von Art Brothers, Sven Prothmann und Burkhardt Demmer.
Für jedes Rimonim-Paar mussten Texte erarbeitet werden, damit die Besucherinnen und Besucher über die digitale Präsentation mehr über die einzelnen Stücke erfahren können. Auch dabei erhielt ich Unterstützung von Annika und Oliver sowie von Sabine Müller aus der Kommunikationsabteilung.
Mir war außerdem wichtig, dass Norbert Cymbalista selbst zu Wort kommt. Deshalb haben wir in Genf Filmaufnahmen mit der Kamerafrau Liora Zittoun organisiert. Brigitte Sion hat uns dabei unterstützt.
So ist im Laufe der vergangenen Monate ein großes „Team Cymbalista“ entstanden. Viele Menschen haben dazu beigetragen, dass die Sammlung heute hier zu sehen ist. Und für mich ist gerade diese Zusammenarbeit ein wichtiger Teil des Projekts. Denn je länger ich mich mit den Rimonim beschäftigt habe, desto mehr habe ich auch über das Sammeln selbst gelernt – und darüber, wie eng sich persönliche Geschichten, wissenschaftliche Forschung und museale Arbeit miteinander verbinden können.
Die Rimonim
Was sind eigentlich Rimonim?
Vielleicht kennen nicht alle den Begriff „Rimonim“ - das hebräische Wort bedeutet wörtlich „Granatäpfel“. Gemeint sind die Aufsätze, die auf die beiden Stäbe einer Tora-Rolle gesetzt werden. Sie gehören zum Toraschmuck und verleihen der Tora auch äußerlich eine besondere Würde.
Dabei ist es faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich Rimonim aussehen können: Manche erinnern an kleine Kronen, andere an Türme oder Blüten. Manche tragen kleine Glöckchen, andere sind mit aufwendigen Ornamenten verziert. Sie wurden aus Silber oder Messing gefertigt, aus Holz oder mit besonders filigranen Techniken.
Ihre Funktion ist grundsätzlich dieselbe - und doch gleicht kaum ein Paar dem anderen. Für mich liegt gerade darin der besondere Reiz dieser Objekte. Wenn wir Rimonim aus verschiedenen Regionen nebeneinander betrachten, sehen wir nicht nur kunstvoll gearbeitete und kostbare Gegenstände. Wir sehen Spuren jüdischen Lebens an sehr unterschiedlichen Orten. Und damit beginnt die eigentliche Geschichte der Cymbalista-Sammlung.
Von Frankfurt in die Welt
Das Jüdische Museum Frankfurt verfügt heute über eine bedeutende Judaica-Sammlung mit rund 800 Zeremonialobjekten. Sie dokumentiert mehrere Jahrhunderte jüdischer Religions- und Kulturgeschichte.
Ihre Geschichte beginnt nicht erst mit der Gründung unseres Museums 1987 und seiner Eröffnung 1988. Sie reicht zurück zum Museum jüdischer Altertümer, das 1922 gegründet wurde. Seine Sammlung wurde während der Schoa weitgehend zerstört, geraubt oder zerstreut.
Ausgehend von den erhaltenen Ritualgegenständen dieses zerstörten Museums konnte das Jüdische Museum Frankfurt nach seiner Eröffnung eine neue Sammlung von Judaica aus dem religiösen Leben und der jüdischen Alltagskultur aufbauen.
Frankfurter Objekte bilden dabei einen wichtigen Ausgangspunkt. Bedeutende Stücke stammen aus den Frankfurter Synagogen des 19. und 20. Jahrhunderts und wurden uns als Leihgaben der Jüdischen Gemeinde Frankfurt zur Verfügung gestellt. Andere herausragende Beispiele jüdischer Zeremonialkunst aus Zentral- und Osteuropa kamen als Schenkungen oder Leihgaben aus privaten Sammlungen hinzu.
Über die Jahrzehnte ist so eine Sammlung entstanden, die weit über Frankfurt hinausweist und heute vier Jahrhunderte jüdischen Lebens in Europa dokumentiert. Trotzdem ist ihr historischer Schwerpunkt klar: Frankfurt, das aschkenasische Judentum und Europa bilden wichtige Bezugspunkte.
Als ich begann, mich intensiver mit der Cymbalista-Sammlung zu beschäftigen, wurde mir deshalb schnell klar, welches Potenzial in dieser Begegnung liegt. Denn diese Sammlung fügt unserer Sammlung nicht einfach einen weiteren Bestand hinzu. Sie öffnet ein Fenster zu anderen jüdischen Lebenswelten.
Eine neue geografische und kulturelle Perspektive
Die Rimonim der Cymbalista-Sammlung kommen aus sehr unterschiedlichen Regionen: aus dem Irak, dem Jemen, dem Maghreb, aus Indien und China, aber auch aus Europa. Das eröffnet eine Möglichkeit, die ich besonders spannend finde: Wir können Objekte miteinander vergleichen, die dieselbe religiöse Funktion haben, aber in völlig unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen entstanden sind.
Und genau dieser Vergleich verändert unseren Blick. Wir erkennen, dass jüdische Ritualkunst zugleich verbindend und vielfältig ist. Die Verbindung zur Tora ist überall vorhanden. Die Funktion der Rimonim bleibt grundsätzlich dieselbe. Aber ihre Gestaltung verändert sich von Ort zu Ort. In ihnen spiegeln sich lokale Handwerkstraditionen, verfügbare Materialien, ästhetische Vorstellungen und die kulturellen Beziehungen zwischen jüdischen Gemeinden und ihrer jeweiligen Umgebung.
Für mich werden die Rimonim dadurch zu Quellen einer Geschichte, die weit über die Kunstgeschichte hinausgeht.
Judaica erzählen von Migration und Austausch
Natürlich können wir ein Rimonim-Paar kunsthistorisch untersuchen: Wer hat es hergestellt? Welche Materialien wurden verwendet? Welche Technik? Aus welcher Werkstatt stammt es? Welchem Stil lässt es sich zuordnen? All diese Fragen sind wichtig.
Aber irgendwann habe ich mir bei der Arbeit mit der Sammlung immer häufiger andere Fragen gestellt: Wer hat diese Rimonim in den Händen gehalten? Für wen wurden sie geschaffen? Welche Wege haben sie genommen? Und was können sie uns über die Menschen erzählen, die sie benutzt haben? Gerade die Cymbalista-Sammlung ermöglicht es, solche Fragen zu stellen.
Was verändert sich, wenn Menschen migrieren? Welche Formen und Techniken nehmen sie mit? Was verändert sich an einem religiösen Objekt – und was bleibt über Generationen hinweg erhalten?
Ein Rimonim wird dann plötzlich mehr als ein kunstvoll gearbeiteter Gegenstand. Es wird zu einem Zeugen von Beziehungen, Bewegungen und Begegnungen. Jüdische Kultur hat nie isoliert existiert. Besonders die Objekte aus islamisch geprägten Ländern wie dem Irak, Marokko, Algerien oder Tunesien machen deutlich, wie eng jüdische Gemeinden mit ihrer jeweiligen Umgebung verbunden waren. Sie standen in wirtschaftlichem, handwerklichem und kulturellem Austausch mit ihren Nachbarn, übernahmen Formen und Techniken und gaben ihnen zugleich eine eigene jüdische Bedeutung.
Zwei Beispiele aus der Sammlung haben mich dabei besonders beschäftigt.
Ein Rimonim-Paar aus Algerien

Eines meiner Lieblingsstücke ist das Rimonim-Paar mit der Leihgabennummer 15. Diese Tora-Aufsätze sind für Algerien außergewöhnlich groß und deshalb besonders selten. Ihre Gestaltung geht auf ein kleineres Design zurück, das ursprünglich aus Livorno in Italien stammt und in Algerien, Tunesien und auch Ägypten verbreitet war.
Eine französische Inschrift nennt Constantine als Herstellungsort und datiert die Herstellung auf den 5. Mai 1877. Die Punzen – die Schlagstempel der Silberschmiede – weisen dagegen auf Oran, Mostaganem oder Tlemcen als mögliche Herkunft hin.
Noch persönlicher wird die Geschichte durch die hebräischen Inschriften. Sie nennen verschiedene Stifter und Handwerker, darunter die Schatzmeister Shalom Biton und Mevourakh Halimi sowie die Handwerker Makhlouf Siksik und Moshe Sa’id.
Wenn ich diese Namen lese, verändert sich mein Blick auf das Objekt. Aus einem anonymen Kunstgegenstand werden plötzlich Menschen sichtbar.
Constantine war über viele Jahrhunderte eines der wichtigsten Zentren jüdischen Lebens im Maghreb. Die jüdische Gemeinschaft entwickelte dort eigene sprachliche und religiöse Traditionen. 1837 wurde Constantine von Frankreich erobert. 1870 brachte das Crémieux-Dekret den Juden Algeriens die französische Staatsbürgerschaft – eine Entscheidung, die zunächst als Privileg und als Ausdruck rechtlicher Gleichstellung wahrgenommen wurde.
Knapp ein Jahrhundert später sollte sich diese Zugehörigkeit jedoch auf schmerzhafte Weise gegen viele von ihnen wenden. Im Algerienkrieg standen zahlreiche Juden auf der Seite Frankreichs und gerieten nach der Unabhängigkeit Algeriens zwischen die Fronten. Am Ende des Krieges mussten sie ihre Heimat verlassen und nach Frankreich fliehen, wo sie vielfach ebenfalls nicht willkommen waren.
Sie verloren damit nicht nur ihre Heimat. Sie fanden sich in einem Land wieder, in dem ihre Zugehörigkeit keineswegs selbstverständlich war. Man hatte sie um ihre Heimat betrogen.
Vor der algerischen Unabhängigkeit lebten in Constantine etwa 15.000 bis 20.000 Juden. Nach 1962 verließen fast alle die Stadt, die meisten gingen nach Frankreich. Heute existiert die einst bedeutende jüdische Gemeinde von Constantine praktisch nicht mehr.
Das Rimonim-Paar bewahrt deshalb für mich nicht nur die Erinnerung an eine jüdische Gemeinde. Es macht eine ganze Geschichte sichtbar – eine Geschichte von Zugehörigkeit, Migration und Verlust.
Von Aden über Alexandria nach Tel Aviv

Auch die Leihgabe Nr. 9 erzählt von Migration.
Die Inschrift auf diesen Rimonim verweist auf mehrere Stationen: Die genannten Personen stammten ursprünglich aus Aden im Jemen und waren nach Alexandria in Ägypten eingewandert. 1938, nach ihrer weiteren Einwanderung nach Palästina, stifteten sie die Rimonim einer Synagoge in Tel Aviv, wahrscheinlich der Synagoge der Einwanderer aus Ägypten in der Lilienblum-Straße. Auf den beiden Schäften steht eine Gedenkinschrift für Jesha'ja, Sohn von Aziza.
Wenn ich diese Inschrift lese, sehe ich nicht mehr nur ein Paar Tora-Aufsätze. Ich sehe Menschen, die unterwegs waren. Menschen, die ihre religiöse Tradition mitgenommen haben und sie an einem neuen Ort weiterführten.
Auch Aden blickt auf eine lange jüdische Geschichte zurück. Bereits im Mittelalter lebte dort eine bedeutende jüdische Gemeinde. Durch die internationale Bedeutung der Hafenstadt entstanden vielfältige kulturelle Verbindungen. Die jüdische Kultur Adens unterschied sich dadurch teilweise von anderen jüdischen Traditionen im Jemen.
Im 19. Jahrhundert erlebte die Gemeinde eine erneute Blütezeit. Nach den Pogromen von 1947 und mit der Gründung des Staates Israel begann jedoch ein weitgehender Exodus. 1967 verließen die letzten jüdischen Bewohner Aden.
In einem einzigen Paar Rimonim lassen sich damit mehrere Stationen jüdischer Migration nachvollziehen: Jemen – Ägypten – Israel. Ich finde es beeindruckend, wie viel Geschichte in einem solchen Objekt sichtbar werden kann, wenn man bereit ist, genauer hinzusehen.
Tradition bedeutet nicht Stillstand

Eine ganz andere Geschichte erzählt das Rimonim-Paar LG.50. Es wurde in den 1990er-Jahren von dem Silberschmied Carmel Shabi (1939–2009) geschaffen. Im Gegensatz zu den historischen Rimonim der Sammlung wurden diese Tora-Aufsätze nicht ursprünglich für eine bestimmte Synagoge angefertigt, sondern für den Kunstmarkt, für Sammler und Museen.
Auch Shabis Biografie ist von Migration geprägt. 1939 im Irak geboren, wanderte er 1951 mit seinen Eltern nach Israel aus. Später arbeitete er als Silberschmied und ging nach England, um bei den traditionsreichen Londoner Silberschmieden Wakely & Wheeler zu lernen. Ab 1976 widmete er sich ganz der jüdischen Zeremonialkunst.
Seine Rimonim zeigen für mich eine wichtige weitere Dimension der Sammlung: Tradition bedeutet nicht Stillstand. Ein religiöses Objekt kann über Generationen weitergegeben werden und dabei immer wieder neu interpretiert werden. Formen, Materialien und Techniken verändern sich. Künstler greifen auf traditionelle Symbole zurück und entwickeln daraus etwas Eigenes. Gerade die Judaica-Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt, wie eng Tradition und Moderne miteinander verbunden sein können.
Wenn Objekte miteinander ins Gespräch kommen
Vielleicht liegt genau darin eine der schönsten Möglichkeiten dieser Sammlung: Die Objekte beginnen miteinander zu sprechen. Ein Rimon aus Frankfurt kann neben einem Rimon aus dem Jemen stehen. Ein Objekt aus Algerien tritt in Beziehung zu einem Stück aus Europa. Ein historischer Toraschmuck begegnet einem Werk eines modernen Judaica-Künstlers.
Und plötzlich entstehen Fragen: Woher kommt dieses Objekt? Wer hat es hergestellt? Wer hat es gestiftet? Wer hat es benutzt? Welche Wege hat es zurückgelegt? Welche Einflüsse sind darin erkennbar?
Für mich ist das eine der großen Stärken des Museums: Wir können Objekte nicht nur einzeln betrachten. Wir können sie miteinander in Beziehung setzen und dadurch neue Geschichten entdecken.
Die Frankfurter Perspektive geht dabei nicht verloren. Im Gegenteil. Die Geschichte des Minhag Frankfurt, die Frankfurter Judengasse und die Tradition der Frankfurter Silberschmiedekunst werden durch den internationalen Vergleich noch deutlicher. Die globale Perspektive relativiert die lokale Geschichte nicht. Sie macht sie sichtbar.
Vom Objekt zur Geschichte
Auch die neue digitale Präsentation hilft dabei. Die Besucherinnen und Besucher können die Rimonim nach ihren Herkunftsregionen betrachten, sie geografisch miteinander vergleichen und ihre zeitliche Entwicklung verfolgen. So wird aus einer Reihe einzelner Objekte eine Geschichte.
Und gleichzeitig bleibt die persönliche Geschichte des Sammelns präsent. In den Interviews mit Norbert Cymbalista geht es nicht nur um einzelne Rimonim, sondern auch um die Frage, was einen Menschen überhaupt dazu bringt, solche Objekte zu sammeln.
Warum beginnt jemand, Rimonim zu sammeln? Was entdeckt man, wenn man über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg Objekte zusammenträgt? Welche Geschichten verbinden sich mit ihnen? Und wie verändert sich der eigene Blick auf die Sammlung im Laufe der Zeit? Diese persönliche Ebene ist mir wichtig. Denn auch eine Sammlung selbst hat eine Geschichte.
Was soll eine Judaica-Sammlung heute erzählen?
Bei meiner Arbeit an diesem Projekt habe ich mich immer wieder gefragt, was eine Judaica-Sammlung heute leisten kann und soll. Natürlich soll sie bewahren. Sie soll forschen. Sie soll an zerstörtes jüdisches Leben erinnern.
Aber sie kann auch etwas sichtbar machen, das mir besonders wichtig ist: Jüdisches Leben war und ist vielfältig. Es gab nicht die eine jüdische Lebenswelt. Es gab viele Zentren, viele Sprachen, viele Traditionen und viele kulturelle Kontexte. Jüdische Gemeinden lebten in Europa ebenso wie im Nahen Osten, in Nordafrika und in Asien. Sie standen mit ihrer Umgebung in Beziehung und entwickelten daraus jeweils eigene Formen jüdischen Lebens.
Die Cymbalista-Sammlung macht diese Vielfalt für uns besonders anschaulich. Sie erweitert unsere Sammlung geografisch, kunsthistorisch und historisch. Vor allem aber schafft sie neue Verbindungen zwischen den Objekten, die wir bereits besitzen.
Kleine Tora-Aufsätze, sehr große Geschichte
Der Wert einer Sammlung liegt für mich deshalb nicht allein in der Anzahl oder im materiellen Wert ihrer Objekte. Eine Sammlung wird dann besonders interessant, wenn neue Objekte neue Fragen ermöglichen. Genau das tut die Cymbalista-Sammlung. Sie macht unsere Judaica-Sammlung nicht einfach größer. Sie macht sie vielfältiger.
Sie lässt uns von Frankfurt aus in andere jüdische Lebenswelten blicken. Sie verbindet Europa mit dem Nahen Osten, Nordafrika und Asien. Sie erzählt von Gemeinden, die verschwunden sind, von Menschen, die migrieren mussten oder neue Orte suchten, und von Traditionen, die trotz aller Veränderungen weitergegeben wurden.
Für mich persönlich ist die Begegnung mit der Sammlung deshalb auch eine Begegnung mit vielen Geschichten geworden.
Geschichten von Orten.
Geschichten von Menschen.
Geschichten von Migration und Verlust.
Aber auch Geschichten von Kontinuität, Kreativität und kulturellem Austausch.
Die Cymbalista-Sammlung fügt unserer Judaica-Sammlung deshalb nicht einfach ein neues Kapitel hinzu. Sie verändert die Perspektive auf das ganze Buch.
Ich freue mich sehr, dass wir diese Perspektive gemeinsam mit Norbert Cymbalista eröffnen können – und hoffe, dass die Rimonim auch unsere Besucherinnen und Besucher dazu einladen, genauer hinzusehen.
Denn manchmal braucht es nur ein kleines Paar silberner Tora-Aufsätze, um eine sehr große Geschichte zu erzählen.
Kuratorinnen-Führungen
An den Donnerstagen 15. Oktober, 29. Oktober und 05. November 2026 bietet Dr. Eva Atlan, als Kuratorin für die neue Präsentation verantwortlich, jeweils um 18 Uhr eine Einführung in die Cymbalista-Sammlung und führt dann weiter zu den Judaica-Objekten in der Dauerausstellung.
Die Teilnahme ist im Museumseintritt inbegriffen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Platzreservierungen unter: juedischesmuseum.de/tickets





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