Im Jahr 2025 gelang dem Jüdischen Museum Frankfurt ein herausragender Ankauf: Mit Unterstützung der Stadt Frankfurt konnte ein umfangreiches Konvolut aus dem Nachlass des Bildhauers Benno Elkan erworben werden. Insgesamt umfasst die Sammlung 187 Einzelobjekte und bietet damit einen eindrucksvollen Einblick in das vielseitige Schaffen des Künstlers.
Zu den Neuerwerbungen zählen Plastiken mit Porträts und freien Arbeiten, Leuchter, posthume Bronzegüsse nach Gipsmodellen, Zeichnungen, Medaillen und Plaketten sowie Bücher, Autographen und Fotografien. Besonders hervorzuheben ist die lückenlose Dokumentation der Provenienzen – der Verkäufer stand über Jahrzehnte hinweg in engem Austausch mit den Nachfahren Elkans.
Ein bemerkenswertes Beispiel aus dem Konvolut ist die Plastik „Bettler“: Der Originalabguss wurde 1937/1938 in der nationalsozialistischen Propagandaausstellung „Der ewige Jude“ in München gezeigt. Der heute im Museum befindliche posthume Nachguss verleiht dem Werk eine neue, kritisch-reflektierende Perspektive.
Benno Elkan – ein bedeutender Bildhauer des 20. Jahrhunderts
Benno Elkan (1877 in Dortmund – 1960 in London) zählt zu den wichtigsten jüdischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem durch die Große Menora, die er zwischen 1949 und 1956 als Geschenk des britischen Parlaments für die Knesset in Jerusalem schuf.
Weniger bekannt ist jedoch seine prägende Rolle für das kulturelle Leben Frankfurts in den Jahren zwischen 1919 und 1933. In dieser Zeit war Elkan eine zentrale Figur der städtischen Kunstszene. In seinem Wohnhaus im Frankfurter Westend pflegte er einen offenen Austausch mit Künstlern, Musikern und Literaten, wodurch sein Zuhause zu einem lebendigen Treffpunkt wurde.
Sein Atelier befand sich in der Karmelitergasse, im Kreuzgang des Karmeliterklosters – ein Ort, der exemplarisch für seine enge Verbindung von Kunst, Stadt und Öffentlichkeit steht.
Zwischen Anerkennung und Anfeindung
Große öffentliche Aufmerksamkeit erregte Elkan im Jahr 1920 mit seinem Mahnmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs, der sogenannten „Heldenklage“. Das Werk löste heftige Kontroversen aus und wurde insbesondere von völkischen Kreisen scharf kritisiert.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erkannte Elkan früh die Gefahr und bereitete seine Emigration vor. Im englischen Exil setzte er seine Karriere erfolgreich fort und schuf zahlreiche Porträtbüsten und Skulpturen, die seinen internationalen Ruf festigten.
Spuren in Frankfurt und ihre Erweiterung
Trotz seiner engen Verbindung zur Stadt sind im heutigen Frankfurter Stadtbild nur wenige Werke Elkans präsent. Zwar erhielt er zahlreiche Aufträge, insbesondere für Medaillen, doch viele Arbeiten sind nicht öffentlich sichtbar. Sein Kriegsmahnmal wurde von den Nationalsozialisten demontiert und erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Anlagenring wieder aufgestellt.
Auch die Frankfurter Museen verfügten bislang nur über einen begrenzten Bestand an Werken des Künstlers. Das Städel Museum und das Historische Museum besitzen jeweils einzelne Arbeiten. Im Jüdischen Museum Frankfurt ist derzeit in der Dauerausstellung der eindrucksvolle Chanukka-Leuchter mit den fünf Makkabäern im Raum „Gegen den Judenhass“ zu sehen.
Ausblick: Kunst und Exil

Mit dem neuen Ankauf wird diese Lücke nun bedeutend geschlossen. Die Sammlung ermöglicht es, Benno Elkan umfassender zu würdigen und seine künstlerische Entwicklung differenziert darzustellen.
Ein weiterer Höhepunkt ist bereits in Planung: Anfang 2027 wird im Raum „Kunst und Exil“ eine Kabinettausstellung präsentiert, die von dem wissenschaftlichen Volontär Maximilian Weitz kuratiert wird. Sie verspricht, neue Perspektiven auf Elkans Werk und seine Lebensgeschichte im Exil zu eröffnen.





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