Do.. 10.09.26 / 19:00 Uhr

Veranstaltungsort: Jüdisches Museum Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main
„Wenige Minuten zuvor hatte ich mich mit dem Lächeln eines Kindes dem Tisch des Straßenhändlers genähert, und jetzt ging ich mit dem Lächeln eines Buckligen davon“, schreibt Cohen in seiner Erzählung „Oh, ihr Menschenbrüder“. Darin blickt der alternde Schriftsteller auf eine traumatische Episode seiner Marseiller Kindheit im Jahr 1905 zurück: An seinem 10. Geburtstag lernte er, was es heißt, in einer Welt des Antisemitismus Jude zu sein. Als Totenklage, Anklage und Appell zugleich reflektiert Cohen in diesem Text die zerstörerische Kraft des Hasses und die Folgen der Ausgrenzung – bis hin zu den unvergleichlichen Gewaltverbrechen der Schoa in der Zeit des Nationalsozialismus.
Albert Cohen (1895–1981) wurde auf Korfu in eine sephardisch-jüdische Familie geboren und wuchs in Marseille und Genf auf. Seine Biografie ist geprägt von Migration, Vielsprachigkeit und der Erfahrung antisemitischer Ausgrenzung – Themen, die sein gesamtes literarisches Werk durchziehen. „Oh, ihr Menschenbrüder“ nimmt innerhalb seines Werks eine besondere Stellung ein: Es ist ein persönlicher Text, der die Verletzungen der Kindheit mit der historischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts verbindet – ein eindringliches literarisches Zeugnis und leidenschaftliches Plädoyer für Empathie und Menschenwürde.
Die Freiburger Schauspielerin Renate Obermaier und ihr Kollege Heinzl Spagl lesen und inszenieren Cohens Texte.
Karten erhalten Sie unter juedischesmuseum.de/tickets; ggf. sind Restkarten an der Museumskasse erhältlich. Einritt 10 €, ermäßigt 5 €.
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