Neueröffnung des Jüdischen Museums Frankfurt

21. Oktober 2020

Deutschlands erstes kommunales Jüdisches Museum öffnet nach mehrjähriger Bauzeit in erweiterter Form am 21. Oktober 2020

Das erste kommunale Jüdische Museum Deutschlands, das Jüdische Museum Frankfurt befindet sich seit 2015 im Umbau und wird am 21. Oktober 2020 der Öffentlichkeit seine Türen öffnen. Der neue Museumskomplex wird ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt Frankfurt sein.

Ergänzt durch seine Dependance, das Museum Judengasse, bildet das erneuerte Jüdische Museum Frankfurt einen außergewöhnlichen Ort europäisch-jüdischen Erbes: Bestehend aus dem sorgfältig restaurierten historischen Rothschild-Palais und dem herausragenden, von den Berliner Staab Architekten entworfenen hellen Neubau. Das neoklassizistische Palais, eine ehemalige Residenz der Familie Rothschild und daher an sich schon von historischem Interesse, beherbergt die neue Dauerausstellung über jüdisches Leben in der Moderne. Das neue Gebäude bietet Raum für Wechselausstellungen, eine öffentliche Bibliothek, einen multifunktionalen Raum für Veranstaltungen und Workshops, das erste milchig-koschere Café in Frankfurt sowie einen Museumsshop für jüdische Literatur und feine Judaica. Der Lichthof zwischen den beiden Gebäuden bildet die Adresse des neuen Museums, Bertha-Pappenheim-Platz 1, und präsentiert eine beeindruckende neue Skulptur des berühmten israelischen Künstlers Ariel Schlesinger.

Ein Zentrum für Jüdische Kulturen in der Vergangenheit und in der Gegenwart

Die vier Kernaspekte des neuen Jüdischen Museums Frankfurt sind: besuchen, erforschen, lernen und verbinden. Entsprechend definiert sich das Museum als ein lebendiges Zentrum jüdischer Kulturen in Vergangenheit und Gegenwart. Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm (Diskussionen, Vorträge, Konzerte, Filmvorführungen, Dinner), pädagogische Aktivitäten (Führungen, Workshops, Kreativkurse) und eine prägnante digitale Strategie ergänzen die Ausstellungen an seinen beiden Standorten. Die Anfänge der Frankfurter Geschichte als renommiertes Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit werden in der Dauerausstellung „Masel und Broche" im Museum Judengasse auf den Fundamenten des ersten jüdischen Ghettos in Europa präsentiert, und das moderne jüdische Leben in Europa wird nun im neuen Museumskomplex in verschiedenen Formaten inszeniert.

Die neue Dauerausstellung “Wir sind Jetzt. Jüdisches Frankfurt von der Aufklärung bis zur Gegenwart“

Auf drei Etagen des Rothschild-Palais bietet die neue Dauerausstellung "Wir sind Jetzt" unterschiedliche Zugänge zur jüdischen Geschichte und Kultur in Frankfurt, einem der wichtigsten Zentren des modernen jüdischen Lebens in Europa. Ausgehend von der Gegenwart skizziert der Ausstellungsrundgang wichtige historische Ereignisse und Konflikte, reflektiert den Wandel von Traditionen und Ritualen in der Moderne und erzählt multimedial individuelle Geschichten aus jüdischer Perspektive. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf namhaften bildenden Künstlern - etwa Moritz Daniel Oppenheim - und Wissenschaftlern wie Samson Raphael Hirsch, Martin Buber, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.

Juden haben die kulturelle, wirtschaftliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Frankfurts auch nach dem Holocaust entscheidend geprägt. Ausgehend von ihren eigenen Migrationserfahrungen brachten sie Distinktion und kosmopolitische Perspektiven in die städtischen Angelegenheiten ein und förderten die europäische Bedeutung Frankfurts als Stadt des Verlagswesens, der Wissenschaft, des Handels und der Finanzen. Um einen persönlicheren Blick auf diese außergewöhnliche Geschichte zu ermöglichen, widmet sich die Ausstellung auch den jüdischen Familien, beispielsweise der Familie von Anne Frank, deren Nachlass an Originalobjekten und Dokumenten hier exklusiv präsentiert wird. Auch die weltberühmte Familie Rothschild spielt in dem neuen Museum eine zentrale Rolle. "Die historischen Wurzeln der Rothschilds liegen hier in Frankfurt, und die beiden heutigen Heimstätten des Jüdischen Museums sind eng mit dem Namen und der Geschichte der Familie verbunden. Insofern ist es uns eine Ehre und eine Freude, an der Neugestaltung dieser angesehenen Institution mitzuwirken, die überdies auch etliche Exponate der Familie beherbergt. Doch wir verstehen unser Engagement nicht als bloße historische Reminiszenz.", so Prof. Klaus Mangold, auch im Namen von Baron Eric und Baron David de Rothschild, und er fügt hinzu: " Wir unterstützen damit ausdrücklich das Anliegen des Museums, den gewaltsamen Abbruch jüdischer Geschichte in Frankfurt und Europa an zukünftige Generationen zu vermitteln und die Bedeutung der jüdischen Kultur für die europäischen Gesellschaften erfahrbar zu machen. Das ist gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus und Ressentiments gegen alles Fremde wieder hoffähig werden, wichtiger denn je."

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Pressemitteilung (PDF)
Factsheet Neues Jüdisches Museum (PDF)

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