Das Jüdische Museum Frankfurt blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurück: Es verzeichnete rund 90.000 Besucherinnen und Besucher, einen Zuwachs von etwa 8% im Vergleich zum Jahr 2024. Die Gesamtzahl an Besuchenden bezieht sich auf beide Häuser (Jüdisches Museum und Museum Judengasse), den Gewölbekeller „Goldener Apfel“, die Erinnerungsstätte Großmarkthalle sowie die weiteren Angebote im Stadtraum und die Bildungsangebote an Schulen, Horten und Kindertagesstätten. Sie umfasst nicht die zahlreichen Gäste, die täglich ausschließlich ins Museum kommen, um in Bibliothek und Archiv zu arbeiten, im Life Deli zu essen oder in der Literaturhandlung einzukaufen.
Insbesondere die Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle auf und neben dem Gelände der Europäischen Zentralbank verzeichnete in 2025 einen massiven Besucherzuwachs: Mit 1.875 Personen statteten der Gedenkstätte 53% mehr Personen einen Besuch ab als im Jahr 2024, in dem 1.225 Personen gezählt wurden.
Das Jüdische Museum wertet die gestiegene Besucherzahl vor dem Hintergrund der starken Zunahme an antisemitischen Vorkommnissen, geschichtsrevisionistischen Äußerungen und Gewalttätigkeiten als einen deutlichen Erfolg. Das Museum erstattete 2025 insgesamt 31 Strafanzeigen und meldete 53 Vorfälle bei der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Berlin, im Jahr 2024 hatte es 11 Strafanzeigen gestellt und 33 Vorfälle gemeldet. Deutlich angestiegen sind insbesondere volksverhetzende Äußerungen und das Hinterlassen von nationalsozialistischen Symbolen im Jüdischen Museum Frankfurt sowie auf seinen Social-Media-Plattformen, gefolgt von israelbezogenem Antisemitismus auf Social Media und Vandalismus im Außenraum.
Museum ohne Mauern expanded
Mit einem Streetfestival, einer Open Stage auf dem Bertha-Pappenheim-Platz, Hip-Hop-Workshops, neuen Wellbeing-Angeboten, der Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen will das Jüdische Museum Frankfurt seinen Anspruch, ein „Museum ohne Mauern“ zu sein, in diesem Jahr kraftvoll ausbauen. Zum Jahresauftakt studierten Musikerinnen und Musiker aus Libanon, Syrien, Ägypten und Israel im Saal des Museums ein Kammermusikkonzert ein, das sie am 21. Januar vor den Freunden und Förderern des Museums zur Aufführung brachten. Es war das erste Aufeinandertreffen von ehemaligen und aktiven Mitgliedern des West-Eastern Divan Or-chestras seit dem 7. Oktober 2023 – und der Auftakt für ein Jahr, in dem das Jüdische Museum neue Brücken zwischen Menschen bauen möchte.
MISHPOCHA. The Art of Collaboration (17. April – 27. September 2026)
Mit Eröffnung der Wechselausstellung „MISHPOCHA. The Art of Collaboration“ (17. April – 27. September 2026) im Rahmen von World Design Capital Frankfurt RheinMain schlägt das Jüdische Museum neue Töne in seiner partizipativen Arbeit an. Künstlerischer Leiter der multimedialen und interaktiven Ausstellung mit begleitenden Happenings ist Mike D. (Beastie Boys), der über zwei Jahre hinweg nach Frankfurt gekommen ist, um gemeinsam mit dem Museumsteam, Atelier Markgraph und der IMA Clique das Konzept zu entwickeln. Im Zentrum von MISHPOCHA steht die verbindende Erfahrung des gemeinsamen Musikmachens und -erlebens. Ausstellung und Begleitprogramm deuten das jiddische Wort für Familie „Mischpoche“ neu – als Sinnbild für künstlerische Netzwerke und für Gemeinsinn jenseits biologischer Familienstrukturen. Bereits der Vorplatz begrüßt die Besuchenden mit einer Open Stage und der OY/YO-Skulptur der Künstlerin Deborah Kass. Der Ausstellungsparcours beginnt mit einer Soundinstallation, präsentiert zeitgenössische Kunstwerke u.a. von Tammy Rae Carland, Geoff McFetridge und Shimon Wanda sowie eine Weiterentwicklung des Projekts „Mischpoche“ von Jan Zappner. Eine immersive Videoinstallation lädt dazu ein, in die Punk-, Riot-Grrl-, Hip-Hop- und Rave-Szene einzutauchen und ein Studioraum fordert dazu auf, selbst Musik zu machen. Im Rahmen von MISHPOCHA finden Hip-Hop-Workshops, Konzerte und Performances im Stadtraum sowie zwei Kooperationsausstellungen im Kunsthaus Wiesbaden (Memory in Action: Marcelo Brodsky, 26. März - 28. Juni 2026) und in den Opelvillen Rüsselsheim (Unter die Haut. Tattoos im Blick, 30. April - 13. September 2026) statt. Ein eigens gestaltetes Magazin in deutscher und englischer Sprache begleitet das Projekt.
OUT OF THE BOX: Gisèle Freund (19. November 2026 – 18. April 2027)
Der Fotografin Gisèle Freund widmet sich die zweite Wechselausstellung des Jahres 2026. Sie präsentiert erstmalig Teile der Sammlung Freund aus dem Nachlass von Hans Puttnies (insgesamt 1.150 Fotografien sowie Dokumente, Manuskripte und Notizen), die das Museum im Dezember 2022 erworben hat, und mittlerweile um weitere Fotografien aus dem Vorlass der Galeristin Marita Ruiter erweitert wurde. Aufgrund dieser Sammlung wird OUT OF THE BOX neue Facetten von Gisèle Freund präsentieren. War sie bisher vor allem durch ihre Porträts von Autoren wie Walter Benjamin, James Joyce und Simone de Beauvoir bekannt, wirft die Ausstellung einen Blick auf ihr internationales Netzwerk von Frauen wie Adrienne Monnier, Victoria Ocampo und Frida Kahlo, betont die ästhetische Vielseitig- und Experimentierfreudigkeit der Fotografin und ihr Selbstverständnis als wissenschaftliche Autorin wie auch Journalistin. Zur Ausstellung erscheint ein deutsch- und ein englischsprachiger Katalog beim renommierten Fotobuchverlag Steidl.
Armin Stern. Maler und Zionist, 27. März 2026 – 03. Januar 2027
Die Kabinett-Präsentation präsentiert Werke des weitgehend vergessenen impressionistischen Künstlers Armin Stern aus den Jahren 1910 bis 1933, die dem Jüdischen Museum von seinen vier Enkelkindern geschenkt wurden. Neben Gemälden umfasst diese Schenkung auch Papier- und grafische Arbeiten, die in drei Hängungen im Raum „Kunst und Exil“ im dritten Stock der Dauerausstellung gezeigt werden. Armin Stern (1883–1944) studierte Malerei an der Städelschule. Nachdem er 1933 von einer Ausstellung im Frankfurter Kunstverein als „nichtarischer Künstler“ ausgeladen worden war, zog er mit seiner Familie nach Bratislava und versuchte von dort aus, ins britische Mandatsgebiet Palästina auszureisen, erhielt dann aber 1938 ein Einreisevisum für die USA und ließ sich in New York nieder.
Neue Judaica-Exponate
Ab dem 24. März 2026 sind im Raum „Pracht der Gebote“ zwei neue Tora-Schilder aus den Werkstätten der bekannten Frankfurter Silberschmiede Leo und Felix Horovitz zu sehen, die das Museum mit Mitteln des kommunalen Ankaufsetats erwerben konnte. Eines der Tora-Schilder wird an die Jüdische Gemeinde restituiert: Es gehörte ursprünglich zu einem Set der Börneplatz-Synagoge, das aus einem Tora-Schild, einem Anhänger zum Tora-Schild und zwei Tora-Aufsätzen bestand. Der Anhänger trägt eine Stiftungsinschrift, die auf Marcus Horovitz verweist, der das Tora-Set zum 25-jährigen Bestehen der Orthodoxen Gemeinde Frankfurt gestiftet hatte.
Ab dem Spätsommer wird das Jüdische Museum zudem in einer neu geschaffenen Vitrine in der Bibliothek einen Großteil der international renommierten Sammlung von Tora-Aufsätzen des Holocaust-Überlebenden Norbert Cymbalista (geb. 1926 in Worms) präsentieren. In Qualität, Vielfalt und kulturhistorischer Aussagekraft stellt die Sammlung ein herausragendes Ensemble jüdischer Ritualkunst aus Europa, Nordafrika, Südarabien und Asien dar, die eindrucksvoll die Pracht und Vielfalt jüdischer Zeremonialkunst unterstreicht und für die internationalen Forschung zu regionalem Kunsthandwerk von großem Wert ist.
Erlebnisraum Judengasse
Zu den neuen digitalen Angeboten des Jüdischen Museums gehört das Spiel „Immersive Jewish Frankfurt“, das zu einer Zeitreise in die Judengasse um 1865 einlädt. Hier begegnen den Usern virtuelle Figuren, mit denen sie sich unterhalten können. Das Spiel wurde auf Grundlage intensiver historischer Recherchen erarbeitet und bindet Künstliche Intelligenz ein. Es macht den Zeitraum erfahrbar, als Juden in Frankfurt soeben die vollen Bürgerechte erlangt hatten und ergänzt damit die Ausstellung im Gewölbekeller „Goldener Apfel“, den die Stadt Frankfurt für weitere fünf Jahre angemietet hat. Der historische Ort wird zukünftig als Pendent des Museums Judengasse mittwochs, donnerstags und freitags nachmittags sowie samstags ganztägig geöffnet sein.
Erweiterte Bildungsprogramme / Wellbeing im Museum
Das Bildungsangebot für Schulen ist weiterhin sehr stark nachgefragt. Dank der neu gewonnenen Unterstützung der Alfred Landecker Foundation kann das Museum in diesem Jahr sein Outreach-Programm „Anti Anti. Museums Goes School” in modifizierter Form fortsetzen und parallel ein halbes Jahr lang mit acht Klassen an sechs verschiedenen berufsbildenden Schulen arbeiten. Im Rahmen des Programms setzen sich Schülerinnen und Schüler mit einer Vielzahl gesellschaftlich relevanter Themen wie Migration, jüdische Kultur und Religion, Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus auseinander und erleben einen Persönlichkeitsbildungsprozess, der zu einem reflektierten Umgang mit Medien, insbesondere im Hinblick auf Desinformation und Fake News, führen soll.
Fortgeführt werden auch die anderen Bildungsprogramme wie die interkulturelle Schattentheater-Projektwoche „Wahrheiten und Narrheiten“ für Kinder im Grundschulalter mit finanzieller Unterstützung des Hessisches Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus (HKE) am Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz. Einen neuen Akzent setzt das Museum mit seinen Angeboten, die das Wellbeing der Beteiligten angesichts der multiplen Krisen unserer Zeit stärken soll. Dazu gehören Back- und Koch-Workshops, gruppenanalytische Gesprächskreise, Flow-Zeichen-Workshops, Yoga-Kurse, Brett-Spiele-Abende und die Möglichkeit, donnerstags bis samstags den Tag im Deli bei leckerem Essen ausklingen zu lassen. Das Museum wird damit auch zum Ort der Regeneration.
Pressekontakt

Pressebilder
MISHPOCHA. The Art of Collaboration
- Tammy Rae Carland, One Love Leads to Another, 2008, mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und Jessica Silverman, San Francisco © Tammy Rae Carland (Download JPG)
- Skulptur auf dem Museumsvorplatz: Deborah Kass, OY/YO, 2016 © Deborah Kass (Download JPG)
- Mike D im Jüdischen Museum Frankfurt, Foto: Marc Krause (Download JPG)
OUT OF THE BOX: Gisèle Freund
- Gisèle Freund auf dem Dach eines Hauses mit erhobener Hand, Paris ca. 1934 © Photo Gisèle Freund / Imec / Fonds MCC (Download JPG)
- Fotomontage, Frankfurt 1928-1929 © Photo Gisèle Freund / Imec / Fonds MCC (Download JPG)
- Kommunistische Fotografinnen und Fotografen bei einer Demonstration auf dem Römerberg, Frankfurt 1931 © Photo Gisèle Freund / Imec / Fonds MCC (Download JPG)
Armin Stern. Maler und Zionist
- Armin Stern, Eschenheimer Turm, 1920er Jahre © Jüdisches Museum Frankfurt (Download JPG)
- Armin Stern, Selbstporträt an der Staffelei, um 1930 © Jüdisches Museum Frankfurt (Download JPG)
Neue Judaica-Exponate
- Leo Horovitz, Tora-Schild, Silber vergoldet © Jüdisches Museum Frankfurt (Download JPG)
- Rimmonim Tora-Aufsätze, Algerien, Constantin, 1877, Silber © Die Cymbalista Sammlung von Tora-Aufsätzen (Download JPG)
Immersive Jewish Frankfurt
- Einblick in die immersive Erfahrung „Immersive Jewish Frankfurt“ © NSYNK (Download JPG)
Erweiterte Bildungsprogramme
- Outreachprogramm Schattentheater „Wahrheiten und Narrheiten“ © Jüdisches Museum Frankfurt (Download JPG)