Porträt von Samson (Fritz) Schames (1898-1967)

Samson (Fritz) Schames (1898-1967)

Frankfurter Exilkünstler
19. Mai 2021Annika Friedman

Für das Jahr 2022 planen wir eine Ausstellung über den Künstler Samson (Fritz) Schames. In Vorbereitung darauf stellt unsere wissenschaftliche Volontärin Annika Friedman ihn in diesem Beitrag vor und gibt einen Einblick in sein ereignisreiches Leben. /// In preparation of our upcoming 2022 exhibit on Samson Schames, our research trainee, Annika Friedman, will introduce you to artist himself and give some insight into his interesting and eventful life. We will start at the beginning, in the city of Frankfurt.

[English version below]

Samson Schames wurde am 31. Dezember 1898 in Frankfurt am Main geboren, als zweites von drei Kindern der Eheleute Sophie und Albert Schames. Die Familie hatte sehr tiefe Wurzeln in Frankfurt. Sie reichen Hunderte von Jahren bis in die Judengasse zurück. Schames erhielt eine religiöse Ausbildung und wuchs im stark jüdischen geprägten Frankfurter Ostend auf, wo die örtliche Synagoge zu Fuß erreichbar war.

Künstlerische Ausbildung

Im Jahr 1925, mit 18 Jahren, nahm Samson an der heute als „Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main“ bekannten Universität ein Studium auf. Er löste sich damit von der Familientradition, denn sein Vater arbeitete im Rothschild‘schen Bankhaus. Diese Loslösung von der Familientradition könnte teilweise davon inspiriert worden sein, dass sein Onkel Ludwig Schames Kunsthändler und Unterstützer der damals noch jungen expressionistischen Kunstbewegung war; zudem ein bekannter Unterstützer des damals berüchtigten Künstlers Ernst Ludwig Kirchner.

Schames Kunstausbildung wurde unterbrochen, als er bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs ins Militär eingezogen wurde und dort von 1916 bis 1918 diente. Nach seiner Entlassung setzte er seine künstlerische Ausbildung fort und schrieb sich an der Kunst- und Gewerbeschule Frankfurt ein (heute Städelschule), wo er Malerei, Grafik und Bühnenbild studierte. Während seines Studiums verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit kommerziellen grafischen Arbeiten und entwarf unter anderem Anzeigen für Zigaretten, Benzin und Autoöl.

Unter dem Einfluss des Bauhaus

Nach dem Abschluss seines Studiums im Jahr 1923 arbeitete Schames im Bereich Bühnenbild. Er schuf zudem Werke im Bereich Textil- und Wandteppichdesign, wo man den starken Bauhaus-Einfluss der mittleren 1920er Jahre gut erkennen kann. Neben Bauhaus-Einflüssen finden sich in seinem Werk auch traditionelle, jüdische Motive, wie zum Beispiel die Menora und der Davidstern.

Ein weiteres, wiederkehrendes Motiv ist Schames’ Darstellung des Frankfurter Opernplatzes. Dort befand sich die Galerie seines Onkels, es bestand also eine besondere, persönliche Verbindung zu diesem Ort. Das Bild, das er von dem Platz malt ist etwas überraschend, denn er zeigt eine die Perspektive, die vom Opernhaus weg auf den Platz vor der Oper führt. Das berühmte Opernhaus selbst ist nicht zu sehen. Einer der letzten Blicke des Künstlers auf seine Heimatstadt, bevor sich für ihn alles dramatisch ändert.

 

Flucht ins Exil

Als die NS Machthabern im Januar 1933 in Deutschland an die Macht kamen, veranstaltete Schames im Februar seine letzte Einzelausstellung in der Frankfurter Schumann-Galerie. Er hatte den Ernst seiner Lage in Deutschland erkannt und begann intensiv seine Auswanderung zu planen. Er reiste mehrmals in die Niederlande, die schließlich sein Zwischenstopp auf dem Weg nach England sein würden.
 
Schames’ Flucht ins Exil begann kurz nach den Ereignissen der Reichspogromnacht am um den 9. November 1938. Nachdem er jahrelang Pläne zur Auswanderung aufgestellt hatte, kann man sich gut vorstellen, dass die Ereignisse der Pogromnacht ein letzter Anstoß für Schames waren, Deutschland schnellstmöglich zu verlassen. Im Januar 1939 wurde Schames legal ein Pass ausgestellt und er verließ Deutschland. Er blieb einige Wochen bei einem Freund in den Niederlanden und fuhr dann weiter nach England und wurde dort einer von vielen „Künstlern im Exil.“

Fortsetzung folgt…

Im nächsten Blog dieser Reihe werden wir Einblicke und Details über Schames’ Erfahrungen im Internierungslager Huyton Camp geben, wo er von den Engländern nach Ausbruch des Krieges 1939 als "feindlicher Ausländer" (enemy alien) interniert wurde, sowie über seine Kriegserfahrungen in London.

Dringend gesucht: Weitere Werke von Schames

Für unsere Ausstellung sind wir derzeit noch auf der Suche nach weiteren Werken von Samson Schames. Wisst Ihr vielleicht von Werken des Künstlers, sei es öffentlichen oder privaten Sammlungen?

Diese Informationen würden uns sehr helfen. Bitte kontaktiert uns unter: annika.friedman@stadt-frankfurt.de! Vielen Dank!

 

English Version

In preparation of our upcoming 2022 exhibit on Samson Schames, our research trainee, Annika Friedman, will introduce you to artist himself and give some insight into his interesting and eventful life. We will start at the beginning, in the city of Frankfurt.

Artistic Education

In 1915, at 18 years old Schames enrolled in what is today known as “The University of Art and Design Offenbach am Main,” with which he broke away from family tradition. His father worked at the Rothschild Banking House, but we know Schames was in part inspired by his uncle, Ludwig Schames, who was an art-dealer, supporter of the Expressionist Movement and champion of the infamous artist Ernst Ludwig Kirchner.

The beginning of his art education was brought to a halt as between 1916-1918 Schames was conscripted and served in the German military during the First World War. It was after his release that he was able to continue his artistic journey and enroll in the Kunst and Gewerbeschule Frankfurt (translates to Higher Education for Applied Artistic Training, what is today the Städelschule) where he studied painting, graphics and set design. During his studies, Schames earned his living with commercial graphic work, designed advertisements for cigarettes, gasoline and car oil.

 

Under the Influence of Bauhaus

After his graduation in 1923, Schames worked in theatrical set design. He also worked in textile and tapestry design, where you can see the heavy Bauhaus influence of the mid-1920s. Along with the Bauhaus influence, his work also displays traditional Jewish themes, such as the menorah and Star of David.

Another symbol is Schames’ depiction of the Frankfurt Opera Square. It was here that Schames’ Uncle’s Gallery was located so it understandably held a personal connection for Schames, but it’s also a particularly unique rendering of the scene, as he paints out onto the Square, and not towards the famous Opera House itself. This particular scene can also be interpreted as one of the last looks Schames had on his hometown, before everything would drastically change.

 

Escape into Exile

In January 1933 when the Nazis rose to power, Schames held a solo-exhibition in February at the Frankfurt Schumann Gallery, while simultaneously acknowledging the writing on the wall and immediately began to prepare his emigration plans. He travelled multiple times to the Netherlands, which would eventually be his mid-way stop en route to England.

Schames’ escape into exile came shortly after Kristallnacht of 1938. While he had been setting plans into place for years, one can only assume that the events of Kristallnacht were inarguably a final contributing factor. In January 1939 Schames was legally issued a passport, and left Germany. He stayed with a friend in the Netherlands for a few weeks and then continued on to England. He arrived in England safely, where he became an artist in exile.

To be continued...

The next blog in the series will give detailed insights into Schames’ experience in the Huyton Internment camp where he was held as an “enemy alien” as well as his wartime experience in London.

The Search for Schames’ Works:

We are asking for your help. If you know of any of Schames’ artworks, being held in either private or public collections, please contact us: annika.friedman@stadt-frankfurt.de. Thank you!

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