REALTALK 1864 Titel: JOSEF LÖWY, 17 Jahre, Botenjunge, neu in Frankfurt

REALTALK 1864. Besuch uns in der Judengasse!

Die immersive Anwendung macht die Gleichberechtigung der Frankfurter Juden mit Künstlicher Intelligenz erfahrbar

Wie erlebten Jüdinnen und Juden das Jahr, in dem sie endlich gleichberechtigte Bürger der Stadt Frankfurt wurden? Die immersive Anwendung unternimmt eine Zeitreise ins Jahr 1864 und lädt zu einem Gespräch mit virtuellen Charakteren über diese und weitere Fragen ein.

REALTALK 1864. Besuch uns in der Judengasse!

Die immersive Anwendung basiert auf einer digitalen Rekonstruktion der Frankfurter Judengasse im Jahr 1864. Nach jahrzehntelangem Kampf haben Juden soeben das Recht erlangt, im Staatsdienst arbeiten und wählen gehen zu können – aber ihre gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Chancengleichheit sind noch lange nicht durchgesetzt. REALTALK 1864 führt mitten hinein in die Gasse, auf der der Umbruch spürbar ist. Die immersive Anwendung lädt zu Begegnungen mit fünf virtuellen Charakteren ein, die Hoffnungen und Sorgen angesichts der neuen Situation haben. Alle Charaktere verfügen über eine Künstliche Intelligenz, die auf historischen Quellen basiert. Wie gestalten sie ihr Leben in der Judengasse? Was sind ihre Pläne im Jahr des Umbruchs? Und was bedeutet Gleichberechtigung im Alltag?

Die Figuren von REALTALK 1864

Die immersive Anwendung lädt dazu ein, fünf virtuelle Charaktere im Gespräch näher kennen zu lernen. Alle Charaktere wurden von historischen Persönlichkeiten inspiriert und sind mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet. Sie unterscheiden sich in ihrem sozialen Status, ihrem Geschlecht und auch ihrer Religionszugehörigkeit.

So funktioniert REALTALK 1864

REALTALK 1864 ist eine webbasierte Anwendung, die Videostreaming nutzt. Sie kann auf dem Smartphone, Tablet oder Computer – ohne Download - geöffnet werden. Wir empfehlen für die Nutzung der Anwendung eine stabile WLAN-Verbindung. 

REALTALK 1864 ermöglicht Dialoge mit virtuellen Charakteren: per Spracheingabe und Sprachausgabe oder über Tastatur und Textanzeige. Für ein gutes Klangerlebnis empfehlen wir Kopfhörer.

Auf dem Smartphone ist REALTALK 1864 für Hochformat optimiert. Derzeit ist die Anwendung nur auf Deutsch verfügbar; eine englische Version ist in Vorbereitung.

Goldener Apfel

Die immersive Anwendung ist jederzeit und überall aufrufbar. Ein besonderes Erlebnis bieten wir im Goldenen Apfel an. Hier ist REALTALK 1864 als immersive Installation erlebbar. In der Straße An der Staufenmauer, an der sich der Gewölbekeller „Goldene Apfel“ befindet, kann die Anwendung zudem geobasiert aufgerufen werden. Diese Möglichkeit überblendet die heutige Straßenansicht punktgenau mit historischen Straßenbildern der Judengasse.

Zwei Wege

Es gibt zwei Wege durch die Anwendung: In der einen Variante führt der Botenjunge Josef Löwy durch die Judengasse. Die andere Variante bietet eine eigenständige Erkundung an. Alle Besucherinnen und Besucher entscheiden selbst, wie lange sie sich in der Judengasse aufhalten möchten. Für den ersten Besuch empfehlen wir eine Aufenthaltsdauer von etwa 30 Minuten.

Workshop für Schulklassen

Die Anwendung kann in ganz Deutschland im Schulunterricht verwendet werden. Für Schulklassen (ab Klassenstufe 8), die eigens nach Frankfurt kommen möchten, bieten wir zudem folgenden Workshop im „Goldenen Apfel“ an:

Endlich Emanzipation! Die jüdische Erfahrung der Emanzipation in Frankfurt 1864

REALTALK 1864 macht den Umbruch erlebbar, als in der Stadt Frankfurt endlich die letzten Bestimmungen gefallen sind, die Juden rechtlich diskriminierten. Wer sind die Jüdinnen und Juden, die nun endlich Ziele verfolgen können, die bislang unerreichbar waren? Welchen Lebensweg erträumen sie sich? Welche Hindernisse tun sich dabei auf? Und: Wie steht die nichtjüdische Bevölkerung zur jüdischen Emanzipation?

In diesem Workshop:

  • erleben Schüler:innen den Moment der jüdischen Emanzipation im Jahr 1864 durch individuelle Gespräche mit 5 virtuellen Charakteren mit Künstlicher Intelligenz;
  • vertiefen Schüler:innen ihr Verständnis von der Erfahrung der jüdischen Emanzipation in Frankfurt im 19. Jahrhundert;
  • denken Schüler:innen individuell sowie gemeinsam darüber nach, was Emanzipation für sie persönlich heute bedeutet, um emanzipatorische Kämpfe als wesentliche Prozesse in der demokratischen Gesellschaft zu begreifen und zu unterstützen. 

Der Workshop ist geeignet für den Geschichtsunterricht ab der 8. Klasse. Er knüpft an die Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an und bereitet die Geschichte des Kaiserreichs vor. Außerdem eignet er sich für den PoWi- und Ethikunterricht, wenn es um die Themen Gleichberechtigung oder gesellschaftliche Teilhabe geht.

Kosten: 6 Euro pro Person

Dauer: 3,5 Stunden inkl. 30 Minuten Pause

Bei Interesse senden Sie uns bitte eine Anfrage über das Buchungsformular.

Zur Entstehung von REALTALK 1864

REALTALK 1864. Besuch uns in der Judengasse! ist die erste immersive Anwendung, die KI-basierte Erkundungen der jüdischen Geschichte Frankfurts und Begegnungen mit virtuellen Charakteren ermöglicht.  

REALTALK 1864: Digitale Charaktere Josef und Henriette

Wie die Figuren entstanden sind

Die fünf Charaktere von REALTALK 1864 sind fiktiv, beruhen aber auf historischen Quellen, überlieferten Biografien und jahrzehntelanger Forschung zur Frankfurter Judengasse. Sie wurden nicht als Porträts einzelner historischer Personen entwickelt, sondern als verdichtete Charaktere: Jede Figur verbindet unterschiedliche Quellen, Lebenslagen und Fragestellungen.

Die fünf Figuren eröffnen verschiedene Perspektiven auf die jüdische Erfahrung des Jahres 1864 in Frankfurt - auf Arbeit und Bürgerrecht, Familie und Vormundschaft, das Handwerk im Umbruch zwischen Innungen und Gewerbefreiheit, auf religiöse Reformen, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Zugehörigkeit. Die Figuren erzählen selbst keine abgeschlossene Geschichte. Sie laden dazu ein, Fragen zu stellen, Widersprüche wahrzunehmen und Geschichte im Dialog zu erkunden.

REALTALK 1864: JOSEF LÖWY und MORITZ DEMMEL

Historische Forschung und KI

REALTALK 1864 wurde im Rahmen des Förderprogramms STARKE HEIMAT HESSEN unter dem Projektnamen „Immersive Jewish Frankfurt” entwickelt. Die Anwendung verbindet historische Forschung, digitale Rekonstruktion, Game-Engine-Technologie und Künstliche Intelligenz. Sie greift auf eine Rekonstruktion der Judengasse auf Grundlage historischer Pläne, Fotografien und Zeichnungen zurück, die im Rahmen des Projekts „METAhub Frankfurt“ entwickelt wurde. Für REALTALK 1864 wurde dieses Modell mit neuen Texturen versehen sowie mit Hilfe von Alltagsgegenständen, Avataren und NPCs „belebt”. 

Zu diesem Zweck haben sich Kurator:innen und Vermittler:innen des Jüdischen Museums Frankfurt mit freiberuflichen Historiker:innen, Drehbuchautor:innen und Gestalter:innen zusammengetan und historische Forschungen, Storytelling-Expertise mit pädagogischen Methoden in den Themen, Figuren und Geschichten miteinander verbunden. Über Monate hinweg wurde ein kuratiertes Wissenssystem erarbeitet, das aus historischen Informationen, Quellen und Figurenvorgaben besteht.

Hinweis zu den Gesprächen mit KI

Die Gespräche mit den Figuren in REALTALK 1864 werden durch ein KI-Sprachmodell ermöglicht, das auf das sorgfältig erarbeitete Wissenssystem zurückgreift. Nutzer:innen können daher eigene Fragen stellen, während die Antworten innerhalb eines fachlich geprüften Rahmens bleiben. Inhalte, Tonalität und Grenzen der Figuren wurden sorgfältig entwickelt, geprüft und getestet, um einen verantwortungsvollen dialogischen Zugang zur jüdischen Geschichte Frankfurts zu ermöglichen.

Die Figuren sind fiktiv, beruhen aber auf historischen Quellen und kuratierten Informationen. Ihre Antworten können variieren und ersetzen keine wissenschaftliche Fachauskunft. Es kann zu ungenauen oder unerwarteten Antworten kommen.

⇒ REALTALK 1864 starten

Gefördert durch das Land Hessen – Hessisches Ministerium für Digitalisierung und Innovation