Erinnerungsstätte an der Frankfurter Grossmarkthalle

Erinnerung an die Massendeportationen aus Frankfurt

Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden, Bd. 2, Frankfurt am Main 1990, S. 477

„Jede Stadt hat ihre eigene Deportationsgeschichte, und jede dieser Geschichten offenbart eine Menge über die Mechanismen der Deportationen und das psychologische Klima, in dem sie stattfanden.“

Die "alte" Großmarkthalle

Blick auf die Großmarkthalle Frankfurt mit Gleisüberdachung und Hallenbau, 1928. © Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main

Entworfen wurde die Großmarkthalle Mitte der 1920er-Jahre von dem Architekten Martin Elsaesser. Sie war bautechnisch auf höchstem Niveau, konzipiert für den modernen Handel und reibungslosen Umschlag von Obst und Gemüse: mit praktischen Laderampen, großzügig dimensionierten Kühlkellern, Bahnanschlüssen mit überdachten Gleisen und einem eigenen Befehlsstellwerk.

Ein Ort der Versorgung wird zum Ort des Terrors

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und NSDAP-Gauleitung nutzten das Gebäude und seine Funktionalität ab 1941 für Massendeportationen von Juden. Die Wahl war auf diesen Ort gefallen, da er innenstadtnah und verkehrstechnisch günstig zwischen Hafenbahn und Ostbahnhof lag. Deshalb mietete die Gestapo den östlichen Kellerbereich als Sammelplatz zur Durchführung der Deportationen. Der Keller bot Schutz vor neugierigen Blicken auf das Verbrechen und notdürftig Platz für Hunderte Menschen. Frauen, Männer und Kinder wurden durch das eingesetzte Personal gedemütigt, körperlich misshandelt. Letzter Habseligkeiten beraubt zwang man sie schließlich an das Gleisfeld vor der Halle. Dort standen die Züge der Deutschen Reichsbahn für die Transporte in die Ghettos und Konzentrationslager bereit. Direkt nebenan ging der tägliche Marktbetrieb weiter. Dabei blieben die grausamen Vorgänge den dort Beschäftigten nicht verborgen.

Berny C. Lane alias Werner Levi, 1998

„Es war die Hölle, die ganze Nacht Untersuchungen, Schreie und Schikanen ohne Ende.“

Bei der Großmarkthalle waren nicht nur Gestapo-Beamte und Parteifunktionäre im Einsatz. Auch „normale“ Polizisten, Finanz- und Eisenbahnbeamte sowie die Mitarbeiter verschiedener städtischer Ämter wirkten an den Deportationen mit. Die Stadtverwaltung sowie viele nicht-jüdische Bürgerinnen und Bürger profitierten vom zurückgelassenen Besitz der Verschleppten. Andere bezogen Wohnungen und Häuser, aus denen Juden vertrieben worden waren.

In Zitaten berichten Zeug*innen vom Verbrechen

Nach dem Entwurf des Architekturbüros KatzKaiser bilden Zitate von antisemitisch Verfolgten und Beobachtern der Deportationen das Geschehen an der Erinnerungsstätte ab. Eingelassen in den Boden und an Wandflächen folgen die Zitate in ihrer Anordnung einer chronologischen Dramaturgie. Auch mittelbare Ereignisse und Emotionen werden thematisiert: die Selbstmorde im Zusammenhang mit den Deportationen, die Reaktionen der Stadtbevölkerung oder die Reflexion der Verbrechen in Frankfurt.

Ilse Kahane, geb. Wetterhahn, um 2004

„In 1942, I was deported. I was one of the last Jews leaving my city. We were first gathered in a big hall and then put on freight trains and sent to Berlin, where another 1.000 Jews were added to our transport, all in all 1.250 Jews. Ultimately, I am one of the final 25 survivors of this transport. After four days with hardly any food, we arrived in Estonia.”

Wegeführungen über das Areal

Ein Teil der Erinnerungsstätte befindet sich auf dem Areal der heutigen Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser Teil kann nur im Rahmen von Führungen besucht werden. Er umfasst auch den Keller, der als Sammelplatz für die Deportationen diente. Der Bereich östlich der ehemaligen Großmarkthalle ist öffentlich zugänglich. Für beide Bereiche gibt es eine eigene Wegeführungen mit Zeugnissen zum Ablauf der Deportationen: angefangen vom Gerücht und von der Benachrichtigung betroffener Personen über bevorstehende Deportationen bis hin zum gewaltsamen Transport in die Ghettos und Lager mit Zügen der Deutschen Reichsbahn.

Öffentliche Führungen

Sie können sich zu unseren öffentlichen Gruppenführungen anmelden. Termine:

Freitag, 7. September 2018, 18:00 Uhr (Anmeldeschluss: 27. August 2018)
Freitag, 5. Oktober 2018, 16:00 Uhr (Anmeldeschluss: 25. September 2018)
Freitag, 19. Oktober 2018, 16:00 Uhr (Anmeldeschluss: 9. Oktober 2018)
Freitag, 2. November 2018, 16:00 Uhr (Anmeldeschluss: 22. Oktober 2018)
Freitag, 7. Dezember 2018, 16:00 Uhr (Anmeldeschluss: 27. November 2018)

Bitte beachten Sie, dass jede teilnehmende Person einen gültigen Reisepass oder Personalausweis (im Original, nicht in beglaubigter Kopie) beim Einlass in der EZB vorzeigen muss. Andernfalls ist kein Einlass möglich! Beachten Sie außerdem, dass kein größeres Gepäck mit ins Gelände genommen werden darf. Handtaschen und kleine Rucksäcke sind erlaubt.

Gruppenführungen und Schulklassenworkshops

Sie können individuelle Gruppenführungen bei uns buchen. Diese dauern etwa eine Stunde und kosten 60 Euro (bis 20 Personen). SIe sind verfügbar auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Ivrit.

Schulklassenworkshops dauern drei Stunden und bestehen aus einer Einführung, einem Rundgang durch die Erinnerungsstätte und einem Vertiefungsworkshop. Kosten: 100 Euro.

Anmeldung mindestens 2 Wochen vor dem gewünschten Termin.

Besucherinformationen
Erinnerungsstätte Großmarkthalle

Heute geöffnet: 00:00 – 23:59

  • Der öffentliche Teil der Erinnerungsstätte ist durchgehend zugänglich.

Eintrittspreise

  • Der öffentliche Teil der Erinnerungsstätte ist jederzeit kostenfrei zugänglich.
    O€

Barrierefreiheit

Sowohl der öffentliche als auch der nichtöffentliche Teil der Erinnerungsstätte sind barrierefrei.

Erinnerungsstätte Großmarkthalle
Philipp-Holzmann-Weg
60314 Frankfurt am Main

Öffentliche Verkehrsmittel

Straßenbahn 11, Bus 32, U6 Haltestelle Ostbahnhof