Sharone Lifschitz: “The Line and the Circle”

Ausstellungseröffnung zur Entstehung des Kibbuz’ Nir Oz

Mi. 06.12.23 / 19:00 Uhr

Veranstaltungsort: Jüdisches Museum Frankfurt, Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main

Kibbuz Nir Oz und Kibbuz Be’eri – diese beiden Kibbuzim stehen stellvertretend für das Trauma, das die israelische Gesellschaft am 7. Oktober 2023 erlitten hat. Die Bevölkerung fühlte sich bis dato durch militärische Stärke gut geschützt. Auf brutalste Weise musste sie durch Terrorangriffe, Morde und Entführungen am 7. Oktober erkennen, wie verwundbar sie ist.

Als Remineszenz an die beiden Kibbuzim zeigt das Jüdische Museum Frankfurt ab Mittwoch, 6. Dezember, im Raum “Kunst und Exil” der Dauerausstellung den Film “The Line and the Circle” (2009, 19 Min.) der preisgekrönten Künstlerin und Filmemacherin Sharone Lifschitz. Der Film zeigt die Entwicklung von historischen Fotografien in einer Dunkelkammer. Es handelt sich um Aufnahmen, die die Mutter der Künstlerin, die 85-jährige Yocheved Lifschitz, als junge Chaluza (Pionierin) von den Anfangsjahren des Kibbuz Nir Oz gemacht hat. Während die Fotografien langsam an Kontur gewinnen, unterhalten sich Mutter und Tochter über ihre eigene Geschichte und die des Kibbuz.

Bis zum 7. Oktober lebten etwa 350 Menschen im Kibbuz Nir Oz in unmittelbarer Nähe des Gaza-Streifens. Viele von ihnen engagierten sich für Frieden mit ihren palästinensischen Nachbarn, darunter die Familie der Künstlerin. Beim Angriff der Terrororganisation Hamas zerstörte diese Häuser, ermordete 20 Menschen und verschleppte 80 Personen in den Gaza-Streifen. Zu den Geiseln zählte Yocheved Lifschitz, sie ist mittlerweile wieder in Freiheit. Ihr Mann Oded Lifschitz (83 Jahre) wird weiterhin als Geisel gefangen gehalten.

Zum Auftakt der Ausstellung sprechen die israelischen Künstler Nir Evron und Omer Krieger sowie die israelische Regisseurin Sapir Heller mit Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, über Fragen wie “Was macht einen Kibbuz aus?” “Wofür steht die Gemeinschaft?” “Wie war das Leben in Nir Oz und Be’eri vor dem 7. Oktober – und wie kann es weitergehen?” Sapir Heller hatte im Staatstheater Darmstadt den als Reaktion auf den 7. Oktober von Maya Arad Yasur geschriebenen Text „Wie man nach einem Massaker humanistisch bleibt in 17 Schritten“ performed.

Vor der Podiumsdiskussion zeigen wir die Intervention “Rehearsing The Spectacle of Spectres” der in Berlin lebenden Künstler Nir Evron und Omer Krieger. Die Videoarbeit aus dem Jahr 2014 führt in filmischen Sequenzen in den Kibbuz Be’eri und zu dessen Bewohnern, die das Gedicht “Rehearsing The Spectacle of Spectres” rezitieren. Es stammt vom Lyriker Anadad Eldan, der 1924 in Polen zur Welt gekommen ist und das Massaker am 7. Oktober im Kibbuz Be’eri überlebt hat.

Sollten die äußeren Umstände es zulassen, werden wir zudem Sharone Lifschitz live per Zoom zuschalten.

Wir bitten um Anmeldung per E-Mail an besuch.jmf@stadt-frankfurt.de.

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