Die Frankfurter "Judensau"
Kupferstich aus Johann Jacob Schudts "Jüdischen Merckwürdigkeiten", Frankfurt 1714
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Diese judenfeindliche Darstellung wurde Mitte des 16. Jahrhunderts als Fresko im Inneren des nördlichen Turms der Alten Brücke angebracht und bis ins 18. Jahrhundert hinein immer wieder erneuert. Sie verunglimpft die Juden, die die Frankfurter Judentracht Anfang des 18. Jahrhunderts tragen, mit allen erdenklichen Mitteln: Sie essen den Kot und trinken die Milch eines Schweins, das bekanntlich im Judentum als unrein gilt. Betont wird dies dadurch, daß die Sau ihrerseits Kot frißt. Ermuntert werden die Juden bei ihrem Tun vom Teufel selbst. Daß dieser ebenfalls das Judenkennzeichen trägt und die gleichen Gesichtszüge wie die Juden aufweist, vermittelt die Botschaft, die Juden seien Verwandte des Teufels. Auch der Ziegenbock, den die dargestellte Jüdin bei den Hörnern hält, ist ein satanisches Geschöpf. Die Frankfurter Darstellung verbindet dieses weitverbreitete Schandbild mit der Ritualmordverleumdung.
Johann Jacob Schudt (1664-1722), evangelischer Theologe, Orientalist und Rektor des Frankfurter Gymnasiums, wollte vor allem die Juden zum Christentum bekehren. Die "Merckwürdigkeiten" sind voller antijüdischer Vorurteile. Den Lügen vom Ritualmord und der Hostienschändung stand Schudt aber skeptisch gegenüber. Seine Schrift überliefert viele wertvolle Einzelheiten aus dem zeitgenössischen jüdischen Leben, besonders in Frankfurt.
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