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Solange Juden in der Judengasse wohnen mussten, lebten sie selbstverständlich nach ihren Gesetzen und Regeln. Die politischen und sozialen Veränderungen nach der Aufklärung hatten erheblichen Einfluss auf die jüdische Religionsausübung und die Haltung des Einzelnen zur jüdischen Gemeinschaft.

Viele Juden forderten seit Beginn des 19. Jahrhunderts eine Modernisierung des Gottesdienstes und eine Liberalisierung der Religionspraxis. Liberale Prinzipien wie persönliche Freiheit, Individualität und Rationalität rangierten höher als die in der Ghettozeit verbindlich eingehaltene Tradition.

Die Teilnahme am allgemeinen Wirtschaftsleben und die beginnende Integration führte häufig auch zu Konflikten zwischen der Einhaltung des Religionsgesetzes – z.B. der Schabbatruhe – und dem von der christlichen Religion beeinflussten Berufs- und Alltagsleben.

Synagoge Friedberger Anlage. Gemälde von Wilhelm Freund (1860-1937), 1911

Synagoge Friedberger Anlage. Gemälde von Wilhelm Freund (1860-1937), 1911


Innerhalb der jüdischen Gemeinde selbst bestanden zwei Richtungen, die liberale, die ihre Synagoge in der Börnestraße (früher Judengasse) hatte und die Schule Philanthropin prägte, und die konservative mit der Synagoge am Börneplatz.

Beide Richtungen unterhielten ebenfalls zahlreiche kulturelle und soziale Einrichtungen. Die 1882 eingeweihte Synagoge am Börneplatz war die Synagoge der konservativen Gemeindeangehörigen. Sie wurde – wie auch die anderen Synagogen – am 10. November 1938 in Brand gesteckt und musste 1939 auf Befehl der Stadtregierung abgetragen werden.

Die wertvollen Kultgeräte, meist Stiftungen der Gemeindemitglieder, wurden geraubt. Die wenigen, die nach 1945 wieder auftauchten, wurden der heutigen Jüdischen Gemeinde zurückgegeben.




 

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