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Blick in den Raum „Volk des Buches – Volk der Bücher”. Oben: Mikraot gedolot (Rabbiner-Bibel), Wilna, Romm, 1899; Mitte: Mischna, Berlin, I. Lewent, 1832, und Mischna, deutsche Übersetzung von Johann Jacob Rabe, Onolzbach, Jacob Christoph Posch, 1761; unten: Babylonischer Talmud, Frankfurt am Main, Johann Kölner, 1720–1723 In diesem Raum ist die rund dreitausendjährige jüdische Literaturgeschichte dargestellt. Zwei Wandtafeln tragen den Namen des Raumes und sprechen vom Aufbau der hebräischen Bibel, der Mischna und des Talmud sowie vom übrigen jüdischen Schrifttum. Die Rabbinen, gelehrte und lehrende Schriftkundige, diskutierten die Mischna und ihre Sätze. Aus diesen Diskussionen, die die mündliche Überlieferung fortführten, entstand der Talmud (Lehre, Studium), der – oft als „Meer des Talmud” apostrophiert – fast wie eine Enzyklopädie wirkt, in die alles, was man in den rabbinischen Akademien lehrte und für erhaltenswert hielt, aufgenommen ist: Neben den religionsgesetzlichen Diskussionen gibt es vielerlei Legenden, Anekdoten, historische Erinnerungen und naturwissenschaftlichen Wissensstoff, der bis hin zur Astronomie reicht. Im Ausstellungsmittelpunkt finden sich folglich Ausgaben dieser grundlegendsten Werke in Form einer Rabbinerbibel (neben dem Grundtext enthält sie aramäische Übersetzungen und Kommentare großer Gelehrter), einer Mischnaausgabe auch in deutscher Übersetzung (aus dem 18. Jahrhundert) und einer Ausgabe des babylonischen Talmud, gedruckt 1720–1723 in Frankfurt am Main bei Johann Kölner, einem christlichen Drucker, der mit jüdischen Verlegern, Setzern und Korrektoren arbeitete, da diese selbst vom städtischen Rat, der von den Zünften beherrscht war, kein eigenes Druckprivileg bekamen. Im Talmudtraktat „Menachot” (Speiseopfer, vgl. die biblischen Bücher Leviticus 2 und 5 bis 7 sowie Numeri 6 u.ö.), der hier aufgeschlagen ist, wird von der erforderlichen Intention gehandelt, davon, bei welchen Verstößen ein Speiseopfer tauglich bleibt oder untauglich wird, von seiner Zubereitung, von Broten des Dankopfers, des Einweihungs- und des Nasiräeropfers, von Maßen beim Speiseopfer, vom Trankopfer und vom Opfergelübde.
Babylonischer Talmud mit dem Kommentar von Raschi (Rabbi Schlomo ben Jitzchak, 1040–1105), Anmerkungen (Tosafot) und Dezisionsanmerkungen (Piske tosafot) und dem Mischnakommentar des Rambam (Rabbi Mosche ben Maimon, 1135–1204). 18 Bände. Amsterdam, Samuel Marches und Rafael Palasios, 1714–1717; Frankfurt am Main, Johann Kölner, 1720–1723 Als Korrektor betreute sie Samuel Schotten, der Leiter der Frankfurter Jeschiwa (Talmudhochschule). Mäzenatisch unterstützt wurde sie vom Wiener Hoffaktor Samson Wertheimer. Sie diente vielen später an anderen Orten gedruckten Talmudausgaben zur Grundlage.
Aus Goethes Gedichten (hebr.). Übersetzung Immanuel Olsvanger (1888–1961). Jerusalem, Sifre Tarschisch (Dr. Mosche Spitzer), 1949 Eine Darstellung der Entwicklung des jüdischen Religionsgesetzes (d.h. der Halacha) von der Offenbarung am Berg Sinai bis zu den Kodifikatoren des 16. Jahrhunderts nimmt das Bild vom „Meer des Talmud” in dem großen Leuchtbild „Meer der Halacha” wieder auf. Auf der Wandtafel „Bücher und Gelehrte” werden bei einem Gang durch die Jahrhunderte exemplarisch einige gelehrte Frankfurter Buchautoren mitsamt ihren wichtigsten Werken aufgezählt. |
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