Jüdisches Museum Frankfurt am Main

Die Feste

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Dauerausstellungen Jüdisches Museum
Jüdisches Leben – Jüdische Feste
Die Feste

Beim Aufklappen dieser Karte erscheinen zwei Bildebenen hintereinander gestaffelt, so dass ein bühnenartiger Raumeindruck entsteht.

Auf der hinteren Bildebene, vor einer weiß-goldenen Kolonnade mit Vergissmeinnichtblüten tragen vier Männer im feierlichen Zug Torarollen von der Heiligen Lade herab. Sie werden von zwei Fähnchen schwenkenden Buben begleitet.

Auf der vorderen Bildebene erhält ein Junge von einem weißbärtigen Rabbi im Kittel den Segen. Dazu gehört die englische Inschrift „Happy New Year”.

Die beiden Szenen spielen auf den ersten und den letzten Feiertag der Festperiode im Herbst an, die das jüdische Jahr einleitet.

Der weiße Kittel des Rabbiners in der unteren Szene verweist auf Neujahr (Rosch Haschana) und den zehn Tage später stattfindenden Versöhnungstag (Jom Kippur), zu denen traditionell weiße Sterbegewänder angelegt werden.

Die Fähnchen schwenkenden Buben verweisen auf das Fest der Torafreude (Simchat Tora), das 13 Tage nach Jom Kippur gefeiert wird.


Der Auszug aus Ägypten. Pessach-Haggada, Frankfurt am Main, 1731; Pergament handgeschrieben, illuminiert; Stiftung Ignatz Bubis

Der Auszug aus Ägypten. Pessach-Haggada, Frankfurt am Main, 1731; Pergament handgeschrieben, illuminiert; Stiftung Ignatz Bubis


Die Erinnerung an das historische Ereignis des Auszuges aus Ägypten erscheint hier im Gewand der Gegenwart: der Exodus wird als feierlicher Korso geschildert, dessen Teilnehmer Festtagskleidung des 18. Jahrhunderts tragen wie bei einem Schabbatspaziergang vor den Toren der Frankfurter Judengasse. Das Nacherleben von Geschichte in der eigenen Gegenwart ist ein Eckpfeiler des Judentums und die Haggada ist ein herausragendes Zeugnis für diese Form der Erinnerung.

Dieser Teller war für die symbolischen Speisen bestimmt, deren Verzehr am Sederabend zu Pessach an die letzte Mahlzeit der Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten erinnert.

Im Spiegel und auf der Fahne sind Datum und Besitzernamen eingraviert: Der Teller gehörte dem Gemeindebeamten Jeremia, Sohn des Jakob aus P.b. (vielleicht Paderborn) und seiner Frau Serche, Tochter des Samuel Moses Segal. Vollendet wurde die geätzte Inschrift am 4. Schewat 5504 (d.i. 18. Januar 1744).

Die Besitzerinschriften werden durch die Darstellung des Sündenfalls und der Opferung Isaaks sowie der Darstellung der „vier Söhne”, der Könige David und Salomo aus der Haggada ergänzt.

Die Gravur ist volkstümlich; die naive Wiedergabe der Figuren orientiert sich an zeitgenössischen illuminierten Handschriften, die ihrerseits Stiche gedruckter hebräischer Bücher imitieren.


Matzatasche; Deutschland, Ende 19. Jahrhundert; Baumwollsamt, bestickt, mit Goldfransen besetzt

Matzatasche; Deutschland, Ende 19. Jahrhundert; Baumwollsamt, bestickt, mit Goldfransen besetzt


Sehr wohlhabende Familien leisteten sich auch einen silbernen Aufsatz aus vier übereinander gestellten Tabletts, von dem die drei unteren für die Matzen bestimmt waren und das oberste mit verschiedenen Kleinbehältern für die symbolischen Speisen.

Die Dose in Form einer großen Zitrusfrucht auf silbernem Eichenlaubkranz war zur Aufnahme des Etrog bestimmt. Dieser gehört zum Feststrauß, der während des Laubhüttenfestes (Sukkot) im Herbst zur Erinnerung an die vierzigjährige Wüstenwanderung der Israeliten gebunden wird.

Da in vielen Diasporagemeinden nördlich der Alpen die Beschaffung des Etrog, einer Südfrucht, umständlich und schwierig war und er nur dann verwendet werden durfte, wenn er keinerlei Beschädigung aufwies, bewahrte man die Frucht in einem kostbaren Behälter auf.


Der Feststrauß besteht aus je einem Zweig von Bachweide, Myrte und Palme sowie dem Etrog. Er wird während des täglichen Festumzuges in der Synagoge nach den vier Himmelsrichtungen geschwungen.

Nach volkstümlicher Auffassung sollen die vier Gewächse vier unterschiedliche Menschentypen darstellen: Der duftende und prächtige Etrog symbolisiert den gut aussehenden Menschen von großer Austrahlung, der elegante, aber trockene Palmzweig den schönen ohne Ausstrahlung. Den Typus mit viel Ausstrahlung, aber unscheinbar von Aussehen, verkörpert die wohlriechende Myrte, und jenen, der weder durch Ausstrahlung noch Aussehen auffällt, symbolisiert die schlichte Bachweide.

Esterrolle. Italien, 18. Jahrhundert; Pergament, mit Sepiatinte beschrieben und illustriert

Esterrolle. Italien, 18. Jahrhundert; Pergament, mit Sepiatinte beschrieben und illustriert


Ihre orientalisierenden Trachten wie auch die Medaillons und Tiermotive auf dunklem Grund orientieren sich an jenen Kupferstichen, die der jüdische Künstler Schalom Italia für Esterrollen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Amsterdam geschaffen hatte.

Diese gedruckten Esterrollen waren wie die gedruckten Haggadot aus Amsterdam ein „Exportschlager” für nahezu alle europäischen Gemeinden. Im 18. Jahrhundert, als die gedruckten Esterrollen mit den Kupferstichen von Schalom Italia längst vergriffen waren, wurden sie zu Vorbildern für handgeschriebene, mit Sepiatinte illuminierte Exemplare, wie es das vorliegende Beispiel zeigt.

Die Sammlung der Chanukkaleuchter im Jüdischen Museum Frankfurt

Das Museum besitzt eine bedeutende und umfangreiche Sammlung von Chanukkaleuchtern, die einen guten Überblick über die Vielfalt der Leuchtertypen bietet, wie sie sich im Laufe von Jahrhunderten in verschiedenen Ländern Europas und des Nahen Ostens herausgebildet haben.

Teile des Bestandes stammen aus der Vorgängerinstitution, dem Museum Jüdischer Altertümer in Frankfurt. 1936 erhielt dieses Museum die einzigartige Sammlung von Siegmund Nauheim vermacht, dem Prokuristen des Bankhauses Rothschild in Frankfurt am Main. In dieser Sammlung befanden sich neben Büchern, Handschriften und anderen Judaica allein über hundert Chanukkaleuchter.


Siegmund Nauheim war als Sammler zugleich Forscher, der die Leuchter schon gezielt nach Epochen, Typen und Ländern sammelte und systematisierte, als Judaica noch kaum als Sammelobjekte beachtet wurden.

Mit der Plünderung des Museums Jüdischer Altertümer 1938 wurden der größte Teil der Sammlung und alle Inventare vernichtet, die Silberleuchter wurden eingeschmolzen. Die Leuchter aus unedlen Metallen waren für die Schmelze uninteressant und wurden im Historischen Museum als Bruchbestand deponiert. 1987 wurden diese Leuchter restauriert und in die Sammlung des Jüdischen Museums integriert. Dieser Bestand wurde seitdem durch Stiftungen von Meta Gorski und Ignatz Bubis sowie durch einzelne Neuankäufe erweitert.

Chanukkaleuchter. Deutschland (?), 18. Jahrhundert; Messing und Kupfer, gestanzt und getrieben; Sammlung Siegmund Nauheim

Chanukkaleuchter. Deutschland (?), 18. Jahrhundert; Messing und Kupfer, gestanzt und getrieben; Sammlung Siegmund Nauheim


Vermutlich erschien die auf den Schildern dargestellte Militärikonographie, wie Säbel, Kanonen und Granaten usw., als besonders geeignet, um auf den historischen Hintergrund des Chanukkafestes zu verweisen.

Bei diesem Leuchter fehlt seit 1938 das Dienerlicht, das ursprünglich oben rechts in der Rückwand des Leuchters eingesteckt war.

Die Leuchterbank, der heute die acht Lichtnäpfe fehlen, ist mit einem ganzen Bühnenprospekt als Rückwand verbunden. Die von Doppelsäulen getragene Aedicula-Architektur schließt den halbkreisförmigen Altarraum mit der Bundeslade ein, vor dem die Silberfiguren von Moses und Aaron wie Schauspieler agieren.

Die sehr detaillierte, ziselierte Architektur bezieht sich in ihren Einzelformen auf die damals gerade wiederentdeckten Tempel der Antike. Das Giebelrelief zeigt die Geschichte von Judit und Holofernes, die als historisches Ereignis zeitgleich mit der Wiedereinweihung des Tempels angesetzt wird. Die über dem Architrav montierte Gemme stellt das Isaakopfer dar.

Die Stadt Koblenz, in der der Leuchter entstanden ist, hatte um 1790 eine zwar kleine, aber bedeutende und alte jüdische Gemeinde. Ihr Leben spielte sich, ähnlich wie in Frankfurt, in einer einzigen Gasse ab. In dieser Gemeinde gab es einzelne, wohlhabende Mitglieder, wie z.B. die Hofjuden des Erzbischofs von Trier, und in diesem Kreis wird man die Auftraggeber dieses außergewöhnlichen Leuchters suchen müssen.


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Letzte Änderung: 13. Januar 2010





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