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Glückwunschkarte zu Neujahr (Rosch Haschana), gedruckt für den amerikanischen Markt; 20. Jahrhundert; Papier, Reliefdruck, gestanzt Beim Aufklappen dieser Karte erscheinen zwei Bildebenen hintereinander gestaffelt, so dass ein bühnenartiger Raumeindruck entsteht. Die Haggada (hebr. Erzählung) ist eine Sammlung von Bibeltexten, religiösen Dichtungen, Liedern und rituellen Vorschriften zum Pessachfest. Das Buch wird an den ersten beiden Festabenden während einer zeremoniellen Mahlzeit (Seder) vorgetragen, die symbolisch die letzte Mahlzeit der Israeliten vor ihrem Auszug aus Ägypten nachfeiert. Die frühesten illustrierten Haggada-Handschriften erscheinen in Westeuropa im 13. Jahrhundert, der Kernbestand des Textes wurde jedoch schon im 9. Jahrhundert von babylonischen Gelehrten festgelegt.
Der Auszug aus Ägypten. Pessach-Haggada, Frankfurt am Main, 1731; Pergament handgeschrieben, illuminiert; Stiftung Ignatz Bubis Die Erinnerung an das historische Ereignis des Auszuges aus Ägypten erscheint hier im Gewand der Gegenwart: der Exodus wird als feierlicher Korso geschildert, dessen Teilnehmer Festtagskleidung des 18. Jahrhunderts tragen wie bei einem Schabbatspaziergang vor den Toren der Frankfurter Judengasse. Das Nacherleben von Geschichte in der eigenen Gegenwart ist ein Eckpfeiler des Judentums und die Haggada ist ein herausragendes Zeugnis für diese Form der Erinnerung.
Pessachteller von Meister Johann Heinrich Hersing; Bielefeld, nach 1739; Zinn geätzt und graviert; aus dem Besitz von Bruno Italiener. Dieser Teller war für die symbolischen Speisen bestimmt, deren Verzehr am Sederabend zu Pessach an die letzte Mahlzeit der Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten erinnert. Die nahezu quadratische Tasche aus violettbraunem Samt enthält drei Fächer für das ungesäuerte Brot (Matza), das während der Sedermahlzeit zu Pessach verspeist wird. Die Fächer sind hebräisch bezeichnet mit „Kohen”, „Levi” und „Israel”. Damit sind die Empfänger des ungesäuerten Brotes in biblischer Zeit gemeint, die Tempelpriester (Kohanim, Einzahl: Kohen), ihre Assistenten (Leviten) und alle übrigen Angehörigen des Volkes Israel.
Matzatasche; Deutschland, Ende 19. Jahrhundert; Baumwollsamt, bestickt, mit Goldfransen besetzt Sehr wohlhabende Familien leisteten sich auch einen silbernen Aufsatz aus vier übereinander gestellten Tabletts, von dem die drei unteren für die Matzen bestimmt waren und das oberste mit verschiedenen Kleinbehältern für die symbolischen Speisen.
Etrogdose; Meister Georg Wilhelm Schedel; Frankfurt am Main, nach 1722; Silber vergoldet Die Dose in Form einer großen Zitrusfrucht auf silbernem Eichenlaubkranz war zur Aufnahme des Etrog bestimmt. Dieser gehört zum Feststrauß, der während des Laubhüttenfestes (Sukkot) im Herbst zur Erinnerung an die vierzigjährige Wüstenwanderung der Israeliten gebunden wird. Da in vielen Diasporagemeinden nördlich der Alpen die Beschaffung des Etrog, einer Südfrucht, umständlich und schwierig war und er nur dann verwendet werden durfte, wenn er keinerlei Beschädigung aufwies, bewahrte man die Frucht in einem kostbaren Behälter auf. Der Feststrauß besteht aus je einem Zweig von Bachweide, Myrte und Palme sowie dem Etrog. Er wird während des täglichen Festumzuges in der Synagoge nach den vier Himmelsrichtungen geschwungen. Das biblische Buch mit der Geschichte der Königin Ester, die ihren Onkel Mordechai und alle persischen Juden vor der Vernichtung rettete, wird am Fest Purim gelesen, das eben dieser Rettung gedenkt. Der Text ist auf einer Pergamentrolle in zwölf Kolumnen handgeschrieben.
Esterrolle. Italien, 18. Jahrhundert; Pergament, mit Sepiatinte beschrieben und illustriert Ihre orientalisierenden Trachten wie auch die Medaillons und Tiermotive auf dunklem Grund orientieren sich an jenen Kupferstichen, die der jüdische Künstler Schalom Italia für Esterrollen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Amsterdam geschaffen hatte.
Porträt Siegmund Nauheims (1874–1935); Radierung von Jakob Nussbaum; Frankfurt am Main, 1929 Die Sammlung der Chanukkaleuchter im Jüdischen Museum Frankfurt Das Museum besitzt eine bedeutende und umfangreiche Sammlung von Chanukkaleuchtern, die einen guten Überblick über die Vielfalt der Leuchtertypen bietet, wie sie sich im Laufe von Jahrhunderten in verschiedenen Ländern Europas und des Nahen Ostens herausgebildet haben. Teile des Bestandes stammen aus der Vorgängerinstitution, dem Museum Jüdischer Altertümer in Frankfurt. 1936 erhielt dieses Museum die einzigartige Sammlung von Siegmund Nauheim vermacht, dem Prokuristen des Bankhauses Rothschild in Frankfurt am Main. In dieser Sammlung befanden sich neben Büchern, Handschriften und anderen Judaica allein über hundert Chanukkaleuchter. Siegmund Nauheim war als Sammler zugleich Forscher, der die Leuchter schon gezielt nach Epochen, Typen und Ländern sammelte und systematisierte, als Judaica noch kaum als Sammelobjekte beachtet wurden. Diese Leuchter werden während des Lichterfestes (Chanukka) benutzt, das an die Wiedereinweihung des Tempels und seines goldenen Leuchters nach dem erfolgreichen militärischen Aufstand der Makkabäer gegen die Seleukiden im 2. Jahrhundert v. Chr. erinnert. Während des achttägigen Festes werden die acht Lichter nacheinander – jeden Tag eines mehr – mit einem gesonderten Dienerlicht angezündet.
Chanukkaleuchter. Deutschland (?), 18. Jahrhundert; Messing und Kupfer, gestanzt und getrieben; Sammlung Siegmund Nauheim Vermutlich erschien die auf den Schildern dargestellte Militärikonographie, wie Säbel, Kanonen und Granaten usw., als besonders geeignet, um auf den historischen Hintergrund des Chanukkafestes zu verweisen.
Chanukkaleuchter; Meister Johann Fridolin Schulthes; Koblenz, um 1790; Silber, getrieben, Steinbesatz Die Leuchterbank, der heute die acht Lichtnäpfe fehlen, ist mit einem ganzen Bühnenprospekt als Rückwand verbunden. Die von Doppelsäulen getragene Aedicula-Architektur schließt den halbkreisförmigen Altarraum mit der Bundeslade ein, vor dem die Silberfiguren von Moses und Aaron wie Schauspieler agieren. |
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