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Dreiteiliges Beschneidungsbesteck. Osteuropa, 19. Jahrhundert; Kännchen: Silbermarke Österreich/Ungarn; Schale: russische Silbermarke; Messer: Klinge Stahl, Griff Horn; Stiftung Ignatz Bubis Das dreiteilige, ursprünglich nicht zusammengehörige Set stellt die Grundausrüstung eines Beschneiders dar. So wie Gott Abraham befahl, Isaak als Zeichen der Anerkennung des Bundes zu beschneiden, so soll nach biblischer Weisung jeder männliche Israelit dieses bindende Zeichen an sich selbst tragen. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es in deutschen Gemeinden in der Synagoge für die Beschneidung eine besondere doppelsitzige Bank. Der eine Sitz war der Platz des Paten, der das Kind während der Beschneidung hielt, der andere Sitz war für den Propheten Elias reserviert, dessen symbolische Teilnahme durch ein kostbar besticktes Kissen zum Ausdruck gebracht wurde. Auf dieses Kissen wurde das Kind kurz vor dem eigentlichen Akt der Beschneidung gelegt.
Kissenplatte für die Beschneidungsbank. Mittelrhein (?), Ende 17. Jahrhundert, Leinen, bestickt Die zum Teil sehr verblassten Farben müssen ursprünglich die für den Spätbarock typische, der Türkenmode entlehnte Blütenpracht aus Nelken, Tulpen und Phantasieblumen üppig und strahlend bunt haben wirken lassen.
Torawimpel, Aufhausen / Württemberg. Geschenk der Gemeinde HaBonim, New York City In deutschsprachigen, aschkenasischen Gemeinden vom Elsass bis Böhmen war es Sitte, aus der Windel, die der Knabe bei der Beschneidung trug, ein langes Band, „die Wimpel”, zu nähen, das mit dem hebräischen Namen und Geburtsdatum des Kindes und einem Segensspruch für das weitere Leben bestickt wurde. Dieses Band diente dann in der Gemeinde als Wickelband für die Torarollen und gleichzeitig als Nachweis der Gemeindezugehörigkeit. Der vorliegende Wimpel wurde für Josef ben Schneior aus der Landjudengemeinde Aufhausen im Jahr 1823 gefertigt. Die wichtigste Verpflichtung der verschiedenen Bruderschaften einer jüdischen Gemeinde bestand darin, Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. In jeder Gemeinde gab es deshalb zahlreiche Spendenbüchsen. Manchmal war das Edelmetall der Büchsen selbst Pfand für zu stiftende Geldbeträge.
Zedakabüchse. Meister Leo Horovitz Frankfurt am Main, um 1910; Silber, graviert; Leihgabe I. Bubis Der Goldschmied Leo Horovitz (1876 Gnesen – 1964 London) war der Sohn des orthodoxen Rabbiners der Frankfurter Börneplatz-Synagoge, Marcus Horovitz, der zunächst dem Zionismus ablehnend gegenüberstand, ihn dann aber intensiv unterstütze.
Frauenhaube (Kupke). Polen, 19. Jahrhundert, Brokat, mit Goldspitze besetzt Das traditionelle Judentum kennt – wie das Christentum auch – die Sitte, dass die Frau nach der Hochzeit ihre Haare zu verbergen hat. Daraus entwickelte sich die Zeremonie des Haareabschneidens bei der Braut, der dann vor der Trauung feierlich eine Perücke aufgesetzt wurde. In Polen hatte die Perücke die Form einer Scheitelhaube aus gefältelter schwarzer Seide oder schwarzem Samt. Seltener bestand sie aus den bei der Hochzeit abgeschnittenen und rearrangierten Haaren. Diese Perücke wurde zu Schabbat und Festtagen durch weiteren Kopfputz in Form einer knappen Haube aus kostbarem Material ergänzt, die auf dem Vorderhaupt saß und die Stirn einrahmte. Typisch für solche Hauben war der Spitzenbesatz, der dann besonders aufwendig ausfiel, wenn er aus sogenanntem „Spanierwerk”, d.h. aus Goldspitze bestand. Auch für Männer gilt das Gebot, das Haupt in der Synagoge und beim Gebet zu bedecken. Sehr fromme Juden tragen sogar den ganzen Tag eine Kappe, Kippa genannt. Zu Festtagen wie z.B. zu Pessach wurden kostbar gestickte Mützen getragen. Ihre Form ist christlichen Hausmützen entlehnt, die im 18. Jahrhundert für Männer einen Perückenersatz darstellten.
Festtagsmütze für Männer. Frankfurt am Main, 18. Jahrhundert; Seidensamt, goldgestickt Anstelle des einfachen Seiden- oder Baumwollstoffes und schlichter Buntstickerei der christlichen Mützen wurde für Mützen jüdischer Auftraggeber oft Samt und Gold- oder Silberfaden verwendet, entsprechend der feierlichen Gelegenheit, zu der die Mützen getragen wurden. |
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