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Das dreiteilige, ursprünglich nicht zusammengehörige Set stellt die Grundausrüstung eines Beschneiders dar.

Die rituellen Vorschriften fordern ein sehr scharfes, schartenfreies, kleines Messer, mit dem die Vorhaut beschnitten wird. Das abgeschnittene Teil wird dann in die besondere Schale gelegt und mit Sand bedeckt. Das Kännchen enthielt vermutlich Öl oder ein anderes blutstillendes Mittel, mit dem die Wunde versorgt wurde.

Die Beschneidung gehört zu den wichtigsten Riten im Judentum, da sie die Zugehörigkeit des Mannes zur Glaubensgemeinschaft definitiv festlegt.


So wie Gott Abraham befahl, Isaak als Zeichen der Anerkennung des Bundes zu beschneiden, so soll nach biblischer Weisung jeder männliche Israelit dieses bindende Zeichen an sich selbst tragen.

Die Beschneidung findet am achten Tag nach der Geburt statt in Anwesenheit von mindestens zehn männlichen Gemeindemitgliedern. Derjenige, der die Beschneidung vornimmt, der Mohel, ist dafür eigens ausgebildet und muss über seine Tätigkeit Buch führen. Der Akt selbst wird von einer religiösen Zeremonie mit Segenssprüchen und Gebeten umrahmt. Im traditionell-aschkenasischen Judentum findet die Beschneidung in der Synagoge statt, wobei die Frauen an der eigentlichen Zeremonie nicht teilnehmen.

Kissenplatte für die Beschneidungsbank. Mittelrhein (?), Ende 17. Jahrhundert, Leinen, bestickt

Kissenplatte für die Beschneidungsbank. Mittelrhein (?), Ende 17. Jahrhundert, Leinen, bestickt


Die zum Teil sehr verblassten Farben müssen ursprünglich die für den Spätbarock typische, der Türkenmode entlehnte Blütenpracht aus Nelken, Tulpen und Phantasieblumen üppig und strahlend bunt haben wirken lassen.

In deutschsprachigen, aschkenasischen Gemeinden vom Elsass bis Böhmen war es Sitte, aus der Windel, die der Knabe bei der Beschneidung trug, ein langes Band, „die Wimpel”, zu nähen, das mit dem hebräischen Namen und Geburtsdatum des Kindes und einem Segensspruch für das weitere Leben bestickt wurde.


Dieses Band diente dann in der Gemeinde als Wickelband für die Torarollen und gleichzeitig als Nachweis der Gemeindezugehörigkeit. Der vorliegende Wimpel wurde für Josef ben Schneior aus der Landjudengemeinde Aufhausen im Jahr 1823 gefertigt.

Der Spruch „er wachse heran zur Tora, zur Chuppa und zu guten Werken” wird durch eine Torarolle und einen Hochzeitsbaldachin illustriert. Die Torarolle verweist auf die Zeremonie der Barmitzwa, bei der der Junge erstmals zum Lesen der Torarolle aufgerufen wird, der Hochzeitsbaldachin deutet auf die Gründung einer neuen Familie und die „guten Taten” drücken die Aufforderung aus, zum Gemeindeleben durch Wohltätigkeit beizutragen.

Die Buchstaben wurden sorgfältig in einer altertümlichen Quadratschrift vorgezeichnet und dann mit Stielstich in verschiedenfarbigen Seidengarnen nachgestickt. Der Vorzeichner war ein ausgebildeter Schreiber für rituelle Texte, während die Stickerei von weiblichen Familienangehörigen ausgeführt wurde.

Zedakabüchse. Meister Leo Horovitz Frankfurt am Main, um 1910; Silber, graviert; Leihgabe I. Bubis

Zedakabüchse. Meister Leo Horovitz Frankfurt am Main, um 1910; Silber, graviert; Leihgabe I. Bubis


Der Goldschmied Leo Horovitz (1876 Gnesen – 1964 London) war der Sohn des orthodoxen Rabbiners der Frankfurter Börneplatz-Synagoge, Marcus Horovitz, der zunächst dem Zionismus ablehnend gegenüberstand, ihn dann aber intensiv unterstütze.

Die väterliche Hinwendung zum Zionismus scheint der Anlass für den Sohn gewesen zu sein, für traditionelles Kultgerät eine neue, zeitgemäße Ikonographie zu schaffen.

Das traditionelle Judentum kennt – wie das Christentum auch – die Sitte, dass die Frau nach der Hochzeit ihre Haare zu verbergen hat. Daraus entwickelte sich die Zeremonie des Haareabschneidens bei der Braut, der dann vor der Trauung feierlich eine Perücke aufgesetzt wurde.

Die Perücke, der „Scheitel”, war besonders in jüdischen Gemeinden Mittel- und Osteuropas Kennzeichen der verheirateten Frau, während in Westeuropa die unter dem Kinn gebundene Spitzenhaube üblich war.

In Polen hatte die Perücke die Form einer Scheitelhaube aus gefältelter schwarzer Seide oder schwarzem Samt. Seltener bestand sie aus den bei der Hochzeit abgeschnittenen und rearrangierten Haaren.


Diese Perücke wurde zu Schabbat und Festtagen durch weiteren Kopfputz in Form einer knappen Haube aus kostbarem Material ergänzt, die auf dem Vorderhaupt saß und die Stirn einrahmte. Typisch für solche Hauben war der Spitzenbesatz, der dann besonders aufwendig ausfiel, wenn er aus sogenanntem „Spanierwerk”, d.h. aus Goldspitze bestand.

Festtagsmütze für Männer. Frankfurt am Main, 18. Jahrhundert; Seidensamt, goldgestickt

Festtagsmütze für Männer. Frankfurt am Main, 18. Jahrhundert; Seidensamt, goldgestickt


Anstelle des einfachen Seiden- oder Baumwollstoffes und schlichter Buntstickerei der christlichen Mützen wurde für Mützen jüdischer Auftraggeber oft Samt und Gold- oder Silberfaden verwendet, entsprechend der feierlichen Gelegenheit, zu der die Mützen getragen wurden.



 

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