![]() |
||||
Die Frankfurter „Judensau”. Kupferstich aus Johann Jacob Schudts „Jüdischen Merckwürdigkeiten”, Frankfurt 1714 Diese judenfeindliche Darstellung wurde Mitte des 16. Jahrhunderts als Fresko im Inneren des nördlichen Turms der Alten Brücke angebracht und bis ins 18. Jahrhundert hinein immer wieder erneuert. Sie verunglimpft die Juden, die die Frankfurter Judentracht Anfang des 18. Jahrhunderts tragen, mit allen erdenklichen Mitteln: Sie essen den Kot und trinken die Milch eines Schweins, das bekanntlich im Judentum als unrein gilt. Betont wird dies dadurch, daß die Sau ihrerseits Kot frisst. Die „Merckwürdigkeiten” sind voller antijüdischer Vorurteile. Den Lügen vom Ritualmord und der Hostienschändung stand Schudt aber skeptisch gegenüber. Seine Schrift überliefert viele wertvolle Einzelheiten aus dem zeitgenössischen jüdischen Leben, besonders in Frankfurt. Seit altchristlicher Zeit wurde den Juden vorgeworfen, sie hätten aus Bosheit und Verblendung Jesus nicht als den ihnen von den Propheten verheißenen Messias anerkennen wollen und seinen Kreuzestod verschuldet.
Der angebliche Ritualmord an Simon von Trient, 1475. Holzschnitt von Michael Wolgemut aus Hartmann Schedels „Weltchronik”, 1493
„Du Kornjude”. Judenfeindliche Medaille von 1694 Seit dem 16. Jahrhundert traten neben die traditionellen antijüdischen Beschuldigungen religiöser Herkunft zunehmend solche ökonomischer Art. Den Juden wurden nun ihre wirtschaftlichen Erfolge zum Vorwurf gemacht, die angeblich auf Betrug an Christen beruhten. Diese Medaille macht jüdische Getreidehändler für Teuerungen verantwortlich. Alle diese Beschuldigungen ließen im Laufe der Jahrhunderte bei der Mehrheitsbevölkerung ein zutiefst negatives Judenbild entstehen, an das die antisemitische Bewegung des 19. Jahrhunderts ebenso anknüpfen konnte wie dann der Nationalsozialismus. Der Reformator Martin Luther hatte anfangs gehofft, die Juden für seine Lehre gewinnen zu können. Als diese Erwartung enttäuscht wurde, forderte er harte Zwangsmaßnahmen gegen die Juden, die denen der alten Kirche in nichts nachstanden.
Johann Christoph Georg Bodenschatz: Kirchliche Verfassung der heutigen Juden sonderlich derer in Deutschland ... 4 Teile. Frankfurt, Leipzig, Erlangen 1748/49 |
KontaktdatenJüdisches Museum Museum Judengasse MuseumsleitungProf. Dr. Raphael Gross Dr. Johannes Wachten Fritz Backhaus Daniela Unger |
|||
| Jüdisches Museum • Untermainkai 14/15 • 60311 Frankfurt am Main | ||||
| Tel.: +49 (69) 212 35000 • Fax: +49 (69) 212 30705 • Email: info(at)juedischesmuseum.de | ||||